Von Angelschnur, Sturmmöwe und Feuerwehr

Verhängnisvolle Käferjagd

Während der Jagd nach fliegenden Käfern verfing sich eine Sturmmöwe nahe der Bille in einer im Busch hängenden Angelschnur. Nur dem beherzten Einsatz der zur Hilfe gerufenen Feuerwehr ist es zu verdanken, dass sie geborgen und damit gerettet werden konnte.

In Kirchsteinbek, am Zusammenfluss von Glinder Au und Bille gelegen befindet sich die nicht öffentlich zugängliche, rund  8 ha große Deponie Brümmer. Die Abdeckung der sanierten, in den 1950er und -60er Jahren zur Entsorgung ölhaltiger Hafenabfälle und Säureharze genutzten Deponie bietet heute mit verschiedenen Gräsern und Kräutern bewachsen besonders für Insekten einen attraktiven Lebensraum.

 

Am 13. Juni 2015 konnten bei warmen, sonnigen Wetter zufällig etliche Sturm- und drei Schwarzkopfmöwen bei der Jagd nach fliegenden Käfern beobachtet werden. Mittels Ringablesungen konnten die drei Schwarzkopfmöwen wenige Tage später als Brutvögel auf dem Flachdach einer Spedition in Moorfleet ausgemacht werden.

Als mich am 3. Juni diesen Jahres ein Anruf erreichte, dass die Möwen wieder dort seien, machte ich mich direkt auf den Weg. Unter rund 100 jagenden Sturmmöwen hatten sich wieder 3 Schwarzkopfmöwen und auch 2 Heringsmöwen gemischt. In der prallen Mittagssonne jagten sie wie im Vorjahr Käfer. Ganz überwiegend dürfte es sich bei diesen Tieren um rd. 8-18 mm große  Junikäfer (Trivialname, versch. Gattungen) handeln.

 

Über Stunden kreisen die Möwen über der Fläche, folgen dabei in zum Teil atemberaubenden Manövern den Konturen der die Fläche umgebenden, buschigen Vegetation. Eine Sturmmöwe kam einer Weide hierbei zu nah und verfing sich unweit des Billeufers in etwa 4m Höhe mit dem rechten Flügel in einer Angelschnur. Durch die dichte Vegetation aus Brombeeren, Brennnesseln, Gräsern und Weiden ist mit normaler Kleidung nicht durchzukommen, ohne Säge hinge die Möwe aber eh unerreichbar hoch im Baum. Also bleibt nur der Griff zum Mobiltelefon um die Feuerwehr zur Hilfe zu rufen. Nach rund einer halben Stunde trafen dann zwei freundliche Herren der Veddeler Wache ein, deren Kollegen aus Billstedt waren zur Zeit anderenorts im Einsatz. In dicker Schutzkleidung arbeiteten sie sich in der Mittagshitze durch das dichte Geäst, in dem sich unerwartet und völlig zugewachsen auch noch ein verrosteter Stacheldrahtzaun fand.

Endlich an der schnurbehangenen Weide angekommen, konnten sie durch ein wenig Kletterarbeit und die Entfernung zweier Äste die verfangene Möwe mitsamt Zweig sanft zu Fall bringen. Die Schnur wurde gekappt, das Entfernen aus dem Gefieder erwies sich vor Ort als nicht machbar. So wurde die Möwe von den Rettungskräften zur weiteren Behandlung in das Tierheim Süderstraße verbracht. Dort konnten nach Entfernung der Schnüre keine ernsthaften Verletzungen festgestellt werden, sodass die völlig entkräftete Möwe nach einem "Wellness-Wochenende" wieder in die Freiheit entlassen werden konnte.

 

Außer an den beiden genannten Tagen konnten über der Deponie bei etlichen Besuchen allenfalls einzelne, überfliegende Möwen beobachtet werden. Der massenweise Flug der Käfer über der Fläche scheint sich auf 1-2 Tage in Juni zu Beschränken.

 

An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an die Feuerwehrkräfte von der Veddel für ihren beherzten Einsatz und an das Team des Tierheimes Süderstraße.

Außerdem möchte ich an alle Angler appellieren, die "Schwarzen Schafe" ihrer Zunft auf Fehlverhalten (wie das Zurücklassen von Angelschnüren und anderem Abfall) anzusprechen. Die schlechten Manieren weniger Personen schadet hier nicht nur der Natur, sondern auch der gesamten Angler-Gemeinschaft. 

 

 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0