Rückblick: Oktober & November 2014

Zwei weitere sehr warme Herbstmonate sind vorüber. Bundesweit verzeichneten wir 2014 den zweit wärmsten meteorologischen Herbst (September-November) seit Beginn der Wetteraufzeichnung. So waren auch in Hamburg bis Mitte November etwa Schmetterlinge und Libellen zu beobachten. Erst Ende November zogen mit Temperaturen um den Gefrierpunkt vorwinterliche Verhältnisse ein.

November

Herbstliche Farben und beringte Graugänse im Park

Grünes Gras, ein Kinderspielplatz, blauer Himmel, die Sonne spiegelt sich in der Alster. Dazu immer kahler werdende, herbstlich bunte Bäume, deren Laub sich, vom Wind gelöst, auf die Grasflächen und Wege tragen lässt, um dort farbliche Akzente zu setzen. Was will Großstädters Herz mehr?

Es gibt einige Parkanlagen in der Stadt, der relativ kleine Hayns Park zählt sicherlich zu den schönsten. Lachmöwen stehen auf den Dächern der umliegenden Wohnhäuser und beobachten, wo etwas zum Fressen abfallen könnte, Graugänse halten die Grasflächen kurz. Viele von ihnen tragen an einem Bein einen Metallring der Vogelwarte Helgoland, am anderen findet sich ein blau-weißer Kunststoffring mit einem Code. Dieser lässt sich gut ablesen und kann dann gemeldet werden. So lassen sich Lebenslauf und Zugwege der Gans nachvollziehen. 

Farbberingte Graugänse im herbstlichen Hayns Park
Farbberingte Graugänse im herbstlichen Hayns Park

Im Uferbereich zur Alster halten sich meist Stockenten und Blässhühner auf, letztere tragen zum Teil auch Ringe am Bein, natürlich viel kleinere als bei den Graugänsen. All diese Tiere sind aber wild, es handelt sich nicht um Zuchttiere wie es zum Beispiel bei beringten Straßentauben der Fall ist. Leider kommt es immer wieder zu Todesfällen unter den Wasservögeln. Besonders zur Mauserzeit, wenn die Tiere das Gefieder wechseln und nicht flugfähig sind, werden viele Graugänse und andere Wildvögel von freilaufenden Hunden tot gebissen oder verletzt, was sie dann häufig elendig verenden lässt. Umfangreiche Beiträge zu den Themen Vogelberingung in Hamburg und Wildtierschutz in der Großstadt folgen im 1. Quartal 2015.

Graugans-Portrait: Der Schnabel verrät die letzte Mahlzeit
Graugans-Portrait: Der Schnabel verrät die letzte Mahlzeit

Elbwatt am Fähranleger Cranz

Nach dem Besuch des Flughafens Finkenwerder ging es noch weiter zum Este-Sperrwerk beim Fähranleger Cranz. Auf der anderen Seite des Stroms breitet sich das Blankeneser Treppenviertel am Elbhang aus, beim Blick nach rechts lässt sich ein Teil des Mühlenberger Lochs einsehen, im Hintergrund das Airbus-Werk. Bei Niedrigwasser hat man einen guten Blick auf das Elbwatt, in dem zu dieser Jahreszeit abertausende Vögel nach Nahrung suchen. Mit etwas Glück lassen sich hier auf den Wattflächen Seehunde entdecken, die immer häufiger die Elbe hinauf bis nach Hamburg kommen.

An Rande der Fahrrinne machten sich an diesem Tag zwei Mantelmöwen über einen Plattfisch und einige Krabben her. Mit einer Flügelspannweite von rund 160 cm sind diese größten bei uns vorkommenden Möwen eine imposante Erscheinung. 

Mantelmöwe im Anflug
Mantelmöwe im Anflug
Mantelmöwen nutzen die trocken fallenden Bereiche als Nahrungsquelle, hier mit Krabbe und Plattfisch, im Hintergrund eine Silbermöwe
Mantelmöwen nutzen die trocken fallenden Bereiche als Nahrungsquelle, hier mit Krabbe und Plattfisch, im Hintergrund eine Silbermöwe

Getarnte Wintergäste im Vorgarten

Auch in diesem Herbst trafen die im Flecktarn-Gefieder kaum sichtbaren Wintergäste pünktlich vor den Toren Hamburgs ein:

Die Waldohreulen.

Seit vielen Jahren haben sie in einer kleinen Ortschaft wenige Kilometer hinter der niedersächsischen Landesgrenze ihr Winterquartier. Dort sitzen sie tagsüber meist gut versteckt tief in den Thujas und Kiefern. Nur wenn die Sonne angenehm wärmend strahlt, kommen sie hervor und genießen repräsentativ in "erster Reihe" die hellen Momente. Aktiv werden sie aber erst in der späten Dämmerung, wenn sie ausfliegen, um nach Nahrung, ganz überwiegend Mäusen, zu suchen.

Gut versteckt im Ziergehölz: Waldohreule bei der Gefiederpflege
Gut versteckt im Ziergehölz: Waldohreule bei der Gefiederpflege

Oktober

Herbstzeit ist Zugzeit

Die meiste mir zur Naturbeobachtung zur Verfügung stehende Zeit verbrachte ich im Oktober, dem typischen "Zugmonat", auf dem Energieberg Georgswerder, um Zugvögel auf dem Weg in ihre Winterquartiere zu beobachten und zu zählen. Üblicherweise finden diese Zählungen 3 Stunden ab Sonnenaufgang statt. Oktober, Sonnenaufgang, Elbe...war da nicht was? Genau: Nebel! Etliche Male bin ich zeitig zuhause aufgebrochen, um dann auf dem Berg im Nebel zu stehen, Sichtweite mehrmals unter 30 Metern. 

An Tagen mit guter Sicht lohnten sich dagegen die Beobachtungen. Zehntausende Zugvögel konnten so über der Stadt gezählt werden. Unter ihnen vor allem verschiedene Gänsearten, viele Kraniche und Ringeltauben. Letztere, nicht zu verwechseln mit Straßentauben, bilden oft große Schwärme. Allein am 30. Oktober konnten fast 36.000 von ihnen vom Energieberg aus gezählt werden. 

In Richtung Südwest ziehende Kraniche
In Richtung Südwest ziehende Kraniche

Neben den Zugvögeln ließen sich aber auch wieder die ganzjährigen Bewohner unserer Stadt bei ihrem Treiben vor städtischer Kulisse bestens beobachten, wie zum Beispiel der Turmfalke im Rüttelflug auf der Suche nach Mäusen vor dem Stadtpanorama.

Rüttelnder Turmfalke, das Rathaus im Hintergrund ist genau 5 km entfernt
Rüttelnder Turmfalke, das Rathaus im Hintergrund ist genau 5 km entfernt

Auch im warmen Oktober konnten noch zahlreiche Insekten wie dieser Tagfalter der Gattung Colias (wahrscheinlich die Goldene Acht) und der Mauerfuchs beobachtet werden. Sie nutzen im Herbst jede sich bietende Möglichkeit, um Sonne zu tanken. Dabei warf der abgebildete Schmetterling durch die tiefstehende Nachmittagssonne seinen Schatten attraktiv auf das Kleeblatt.

Tagfalter in der tiefstehenden Herbstsonne auf dem Energieberg Georgswerder
Tagfalter in der tiefstehenden Herbstsonne auf dem Energieberg Georgswerder
Abendliches "Himmelsglühen" über Wilhelmsburg
Abendliches "Himmelsglühen" über Wilhelmsburg

Arktische Gänse 

Für unsere Region typische Wintergäste sind die Weißwangengänse. Der überwiegende Teil der meist in großen Gruppen zu beobachtenden markant weiß-schwarz-grauen Gänse brütet in der russischen Arktis, wo die Temperatur auch im Sommer oft nicht  über die 10 Grad-Marke klettert. Dort stellen Moose und Flechten die Hauptnahrung dar, bei uns im Winterquartier ist ihre Nahrung mit dem saftigen Gras unserer Weiden nahrhafter. Kleine Krebstiere aus  Gewässern oder dem Watt der Tideelbe ergänzen ihr Nahrungsangebot, im Frühjahr kommen noch Weidenkätzchen und diverse Knospen hinzu.

In Hamburg lassen sich die Gänse am besten in den Finkenwerder Westerweiden vom Wanderweg aus beobachten. In noch deutlich größerer Zahl (bis etwa 8.000 Individuen) verbringen sie das Winterhalbjahr in der Wedeler Marsch.

Weißwangengänse sind meist in großen Trupps anzutreffen
Weißwangengänse sind meist in großen Trupps anzutreffen

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