Rückblick: Mai 2014

Alles neu macht der Mai - das wusste H. A. von Kamp schon vor knapp 200 Jahren und dichtete dazu...

Blühende Orchideen

Orchideen sind in Hamburg selten geworden, hier das Breitblättrige Knabenkraut im Moorgürtel (Neugraben-Fischbek)
Orchideen sind in Hamburg selten geworden, hier das Breitblättrige Knabenkraut im Moorgürtel (Neugraben-Fischbek)

Orchideen in Hamburg? Da denkt man zunächst an den Botanischen Garten oder die heimische Fensterbank. Aber das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) kommt durchaus auch wildwachsend in Hamburg vor, an rund einem Dutzend Standorten blüht es im Mai. Die Pflanze gedeiht nur an ungedüngten und feuchten, aber nicht zu nassen Standorten mit viel Sonnenschein. Eine frühe Wiesenmahd hilft der Art gegen Hochstauden zu bestehen. Seit den 1960er Jahren ist sie merklich zurückgegangen und wird in der Roten Liste Hamburgs als stark gefährdet geführt. Neben ihr kommen in Hamburg noch fünf weitere Orchideenarten vor, diese sind jedoch allesamt noch deutlich seltener. Leider kommen immer wieder einige "Blumenliebhaber" auf die Idee, diese Seltenheiten auszugraben um sie im eigenen Garten zu kultivieren, was allerdings nur äußerst selten gelingt. Die wilden Bestände werden dadurch dramatisch geschwächt.

 

Nachwuchs bei den Stadtgänsen

Graugans-Familie am Osterbekkanal (Barmbek)
Graugans-Familie am Osterbekkanal (Barmbek)

Mai ist Kükenzeit! Für die städtischen Graugänse (Anser anser) ist 2014 ein gutes Jahr. An den Kanälen rund um die Alster waren und sind noch zahlreiche Gansfamilien zu beobachten. Rasenflächen in Wassernähe dienen als Futterplätze. Die meisten der Graugänse in der Stadt tragen einen blauen Kunststoffring mit einem alphanumerischen Code, anhand dessen sich die Wanderbewegungen der Tiere nachvollziehen lassen. Hierzu lesen Vogelkundler die Ringe der Langhälse ab und melden sie. In Laufe der Jahre entstehen so regelrechte Lebensläufe bzw. Bewegungsprofile. Ein umfangreicher Beitrag zum Thema Vogelberingung ist geplant.

 

Fliegende Edelsteine

Eisvogel in der Nähe seiner Brutröhre
Eisvogel in der Nähe seiner Brutröhre

An Gewässern mit naturnahen Uferbereichen und Abbruchkanten können auch in unserer Stadt mit etwas Glück Eisvögel (Alcedo atthis) beobachtet werden. Rund 50 Brutpaare sind hier beheimatet. Während die flinken Flieger im Allgemeinen recht scheu sind, zeigen sich die Vögel an belebten Orten, wie zum Beispiel dem Stadtpark, Menschen gegenüber erstaunlich  gelassen. Die Brut findet versteckt, in einer bis zu einem Meter tiefen Brutröhre, in Steilwänden am Gewässerufer statt. In guten Jahren kommt es regelmäßig zu Zweitbruten wenn die ersten Küken flügge sind. Bestandsverluste durch harte Winter können so ausgeglichen werden. Entdecken sie eine Brutröhre: Abstand halten. Besonders hier sind die Vögel extrem scheu, um ihre Brut vor natürlichen Feinden zu schützen.

 

Hamburg - Stadt der Möwen

Brütende Sturmmöwe im Müggenburger Zollhafen, im Hintergrund das IBA-Dock (Veddel)
Brütende Sturmmöwe im Müggenburger Zollhafen, im Hintergrund das IBA-Dock (Veddel)
Küken der Heringsmöwe in einer großen Möwenkolonie (Moorfleet)
Küken der Heringsmöwe in einer großen Möwenkolonie (Moorfleet)

Möwen sind in Hamburg an vielen Orten ständig präsent. In der Brutzeit ist es schon erstaunlich, wo man überall insbesondere die Sturmmöwen mit ihren Gelegen entdecken kann. Besiedelt wird fast alles, was dem Nest Halt bietet: Fahrradständer und -körbe, Rohrleitungen aller Art, wenig befahrene Bahngleise auf Industriegeländen, Dalben, Flachdächer oder auch einfach Brachflächen. Bevorzugt werden höhergelegene Orte, an denen Füchse etc. nicht räubern können. Hamburg bietet ganzjährig, auch im Winter, vielfältige Lebensräume mit guter Nahrungsgrundlage für eine Handvoll Möwenarten. Als Brutvögel kommen in unserer Stadt vor allem Sturmmöwen vor, seltener ist die Silbermöwe. Herings- und Schwarzkopfmöwen sind mit unter 100 Brutpaaren deutlich seltener.

 

Reges Treiben auch bei den Insekten

Bei sommerlichen Temperaturen ist die Flüssigkeitsaufnahme enorm wichtig, hier bei einer Hosenbiene (Neugraben-Fischbek)
Bei sommerlichen Temperaturen ist die Flüssigkeitsaufnahme enorm wichtig, hier bei einer Hosenbiene (Neugraben-Fischbek)
Paarung der Hasel-Randwanze (Neugraben-Fischbek)
Paarung der Hasel-Randwanze (Neugraben-Fischbek)

Mit steigenden Temperaturen nehmen auch die Aktivitäten unter den Insekten zu. Immer mehr Arten lassen sich besonders an warmen Stellen entdecken. Bei zahlreichen Wanzenarten findet in diesen Tagen die Paarung statt. Wie für andere Tiergruppen auch ist eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme absolut notwendig. An vielen Gewässern lassen sich nun an warmen Tagen zahlreiche Libellen bei der Jagd, Paarung oder Eiablage beobachten. Im Laufe des Sommers werden hier noch einige interessante Insekten genauer vorgestellt.

 

Ich wünsche allen Lesern eine schöne, warme Sommerzeit mit tollen Naturbeobachtungen!

 

EINE GALERIE ZUM MAI GIBT ES HIER.

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Kommentare: 1
  • #1

    Mariposa aus Wedel (Montag, 09 Juni 2014 22:43)

    Mögen die gut gelungenen Fotos und Erläuterungen manchem die Augen öffnen für die wunderbare Natur, die auch in unserer Stadt Hamburg zu entdecken ist!