Schicksalsschlag bei Hamburgs Seeadlern

Ergänzt am 28. April.

2014 kam es an der Alten Süderelbe zur ersten Seeadlerbrut. Die Herkunft des männlichen Partners blieb unbekannt, er war unberingt. Das Weibchen wurde 2010 nestjung am Selenter See beringt, befand sich also zur ersten Brut erst im vierten Lebensjahr.  Im ersten Jahr wurde ein Junges flügge, 2015  waren es zwei.

Juveniler Seeadler an der Alten Süderelbe in Hamburg
Einer der beiden 2015er Jungvögel

Während des Winters 2015/16 wurde kräftig gebalzt und das Nest weiter aufgestockt. Ab circa 7. März wurde das Gelege bebrütet. Am 8. März kam der männliche Partner von einem Ausflug nicht mehr zurück, an einer Windkraftanlage auf der Hohen Schaar fand sein Leben ein jähes Ende.       

Am 22. März gab das allein verbliebene Weibchen die Brut auf.

Balz des Seeadlerpaares an der Alten Süderelbe im Dezember 2015

Balz des Paares im Dezember 2015

Im Folgenden werden die Beobachtungen aus dieser Zeit geschildert.

  • 9. März: Die Nachricht über einen toten Seeadler an einer Windkraftanlage auf der Hohen Schaar erreicht mich über die Vogelschutzwarte. Das Tier ist adult und unberingt. Der Verdacht, dass es sich um einen der hiesigen Brutvögel handelt, liegt nahe. Allerdings hatte Günther Rupnow unlängst in Moorburg vier adulte Seeadler beobachten können, also handelt es sich vieleicht doch um einen Durchzügler auf Revier- bzw. Partnersuche? Nach dem Ausschlussverfahren bleiben neben dem Männchen von der Alten Süderelbe nur noch die Neßsand-Adler oder ein gebietsfremder Vogel übrig.
  •  12. März: Auf Nachfrage ist aus der Gruppe Süd des NABU ist zu erfahren, dass am Horst der Alten Süderelbe alles in Ordnung sei. Zwei Seeadler seien auf dem Nest beobachtet worden.
  • 14. März: Jan Mewes (Schlickfall e.V.) berichtet nach intensiven Beobachtungen nur vom brütenden Weibchen, ein zweites adultes Tier konnte er nicht sichten. Allerdings halten sich nach seinen Beobachtungen bereits seit einiger Zeit zwei immature Seeadler im Gebiet auf.
  • 16. März: Endlich habe ich Zeit für eigene Beobachtungen. "Sie" sitzt stundenlang ununterbrochen auf dem Gelege. Gelegentlich stößt sie Kontaktrufe aus - keiner antwortet, keine Spur vom Partner. Beide vorjährigen Seeadler halten sich im Revier auf. Der Horst wird mehrfach von mindestens einem der beiden angeflogen, auf die Distanz lassen sich die beiden Individuen im Feld jedoch nicht unterscheiden. Mal scheint der Brutvogel dies "schweigend hinzunehmen", mal wird der immature Vogel aggressiv attackiert.
  • 17. März: Die Beobachtungen entsprechen weitgehend denen den Vortages. Der Brutvogel hat offenbar Nahrung im Horst. Sie frisst, Federn fliegen dabei aus dem Nest. Sie wirkt unruhig, steht mehrfach auf dem Nestrand und fliegt einige kleine Runden. Immer wieder Kontaktrufe - keine Antwort. Insgesamt sitzt sie weiter recht konsequent auf dem Gelege.
  • 19. März: Zunehmend länger verlässt das Weibchen das Nest. Zweimal ist es je rund eine halbe Stunde fort. Die Eier werden zuvor gründlich abgedeckt. Die immaturen Adler fliegen weiterhin den Horst an, ob nur einer oder beide, ist zu dieser Zeit noch unklar. Allerdings lässt das unterschiedliche Verhalten des Brutvogels vermuten, dass es sich um beide jungen Adler handelt.

Während einer der immaturen Seeadler in Nestnähe akzeptiert wird...

...wird der Andere sofort vom adulten Weibchen vertrieben

  • 22. März: Nach Beobachtungen von Jan Mewes und Petra Denkinger wurde die Brut abgebrochen.
  • 24. März: Nur noch sporadisch fliegt das Weibchen das Nest an, stößt unbeantwortete Kontaktrufe aus, verlässt es nach wenigen Minuten immer wieder. Mindestens ein vorjähriger Seeadler ist noch im Revier.

Begegnung der adulten Weibchens mit einem der Jungadler im Flug nach dem Brutabbruch

  • 26. März: Ein im Gebiet bisher ungekanntes adultes Männchen ist anwesend. Es hält sich überwiegend auf dem Mühlensand auf, landet aber auch dreimal auf dem Horst. An diesem Tag werden während gut 10 Stunden Beobachtungszeit weder das Weibchen noch die vorjährigen Adler gesichtet.
  • 29. März: Petra Denkinger und Jan Mewes berichten:  "Wir konnten heute Abend zwei adulte Adler im Nest beobachten (ein männlicher und ein weiblicher). Sie sind stark aufeinander bezogen, rufen, fliegen hintereinander her und sitzen beieinander in den Schlafbäumen." Die immaturen Adler sichteten auch sie nicht mehr.
  • 30. März: Beide adulten Adler sitzen und fliegen die meiste Zeit zusammen, es wird gebalzt. Auf dem Nest können zwei Paarungen beobachtet werden. Im Anschluss steigen beide gemeinsam kreisend über dem Nest hoch auf.

  • 1. April: Meist sitzt das neue Paar gemeinsam in einer Weide und scheint die Sonne zu genießen. Auf dem Nest kommt es erneut zu einer Paarung. Zahlreiche Duettrufe. Ein erneuter Brutversuch scheint möglich...

Das neue Paar scheint die Morgensonne gemeinsam zu genießen

Ein Nahrungseintrag in das Nest während der Brut durch einen immaturen Adler konnte nicht beobachtet werden. Während der Beobachtungszeit hielt sich niemals ein immaturer Vogel alleine in Nestnähe auf.

Nach Auswertung des angefertigten Bild- und Videomaterials kann mit Sicherheit gesagt werden, dass beide vorjährigen Seeadler den Horst anflogen. Das Verhalten des Altvogels ggü. den immaturen war unterschiedlich: Während der eine zumindest in unmittelbarer Nähe zum Nest und kurzzeitig auch auf dem Nestrand akzeptiert wurde, fing der Brutvogel den anderen meist schon in der Luft ab, wozu das Gelege mehrfach kurz verlassen wurde.

Dies lässt Spielraum für Spekulationen:

 

1. Könnte es sich um die eigenen Nachkommen des Vorjahres gehandelt haben. Unterschiedliche Geschlechter könnten das mal aggressive mal friedfertige Verhalten des Weibchens erklären. Beide Jungen flogen aber im letzten Herbst mit einem zeitlichen Versatz von mehreren Wochen ab, sodass ein gleichzeitiges Auftauchen der beiden in diesem Jahr recht unwahrscheinlich scheint.

 

2. Könnte es sich um fremde Individuen gehandelt haben. Auch hier könnten unterschiedliche Geschlechter Grund für das Verhalten des Weibchens sein. Aber würde dieses einen fremden, nicht geschlechtsreifen Artgenossen überhaupt in Nestnähe akzeptieren?

 

3. Könnte es sich um einen der eigenen Jungen von 2015 und einen "mitreisenden" Artgenossen gehandelt haben. Während der vorjährige Nachwuchs akzeptiert wurde, war dies beim fremden Tier nicht der Fall. Diese Variante erscheint mir am plausibelsten. 

 

Gewissheit wird es hier nicht mehr geben.

Ausblick:

Eine erneute Brut in diesem Jahr mit dem neuen Partner ist nicht auszuschließen. Die Aussichten im Revier werden jedoch nicht besser:

Die Windkraftanlage, welche dem Männchen zum Verhängnis wurde, befindet sich in gut 8 km Entfernung vom Nest. Auf der Verbindungslinie zwischen Nest und dieser Anlage sind neue Windkraftanlagen im Westen Altenwerders geplant - in knapp über 3 km Entfernung vom Horst. Die möglichen Flugkorridore zu den verschiedenen Jagdrevieren werden immer schmaler. Die Adler jagen eben nicht nur im Mühlenberger Loch, der Alten Süderelbe und bei Airbus.

 

Schlussbemerkung:

Der Fall lässt erahnen, wie lückenhaft das Wissen über "unsere" Reviervögel ist. Bei weniger hoher Beobachtungsintensität wäre -vorausgesetzt, es kommt nun noch zu einer erfolgreichen Brut-  im Sommer wohl von einem normalen Brutverlauf ausgegangen worden. Auch die Vernetzung mit anderen Beobachtern erwies sich wieder einmal als überaus wertvoll.

 

Beobachtungsdaten wurden freundlicherweise von  Petra Denkinger, Jan Mewes und Günther Rupnow zur Verfügung gestellt. Die Herkunftsdaten des weiblichen Brutvogels lieferte Andreas Giesenberg, der die Ringe per Digitalfotografie ablesen konnte. Diesem Bericht zugrunde liegen rund 45 Stunden eigener Beobachtungszeit, die Auswertung einiger tausend Fotos und etlicher Videosequenzen.

Ergänzende Literaturhinweise:

Einen detaillierten Bericht zum Unfall an der Windkraftanlage befindet sich in der April-Ausgabe der Mitteilungen des Arbeitskreises Vogelschutzwarte Hamburg ab Seite 6.

Der Augenzeuge und Finder des toten Seeadlers konnte den Vorgang hervorragend dokumentieren.

Zum Herunterladen der Mitteilungen klicken sie bitte auf das nebenstehende Bild.

Einen guten Artikel von Angelika Hillmer zum Thema gibt es im Hamburger Abendblatt vom 28. April.

Aktualisierung vom 28. April:

  • 9. April: Kurz nach Sonnenaufgang sitzt das Paar in einer Weide auf dem Mühlensand in teils dichten Morgennebel mit Blick auf die steigende Sonne. Gefiederpflege, gemeinsames Rufen und dösen steht auf dem Programm. Im Anschluss fliegen  Beide kurz das Nest an und stehen rufend auf diesem. Danach fliegen sie gemeinsam in Richtung Mühlenberger Loch ab und lassen sich bis zum frühen Nachmittag nicht mehr an der Alten Süderelbe blicken.
  • 16. April: Während der knapp zweistündigen Beobachtungszeit lässt sich kein Adler an der Alten Süderelbe blicken.
  • 18. April: Einige Male steuert das Weibchen am Nachmittag das Nest an um sich darin für einige Minuten niederzulassen. Ein Mal hat es das Männchen im Schlepptau, welches auf dem Nestrand stehen bleibt während sie tief darin sitzt.
  • 20. April: Keiner der Seeadler kann von mir währen gut 2,5 Stunden beobachtet werden, allerdings bin ich durch balzende Kiebitze und Flussregenpfeifer ziemlich abgelenkt und nicht so konzentriert wie sonst.
  • 21. April: Jan Mewes (Schlickfall e.V.) beobachtet das Männchen nach Sonnenuntergang alleine im Schlafbaum. Das Weibchen sitzt tief im Nest und scheint zu brüten! Dies ist schon ein deutliches Indiz für eine laufende Brut, normalerweise säßen sie jetzt gemeinsam im Schlafbaum.
  • 22. April: Bei Sonnenaufgang ist das Nest wie am Vorabend besetzt, die Beobachtung einer erneuten Brut scheint sich somit zu bestätigen. Zwischendurch verlässt das Weibchen mehrfach für einige kleine Flugrunden das Nest, landet wenige Minuten später wieder und wurstelt etwas unter ihrem Bauch herum bevor sie sich wieder setzt. Im Anschluss wird Laub eng um dem Körper drapiert, dies geschieht um seitlich eine bessere Wärmeisolation zu erreichen und ist ebenfalls ein deutliches Indiz für eine laufende Brut. Drei Brutablösungen können im Tagesverlauf beobachtet werden, das Verhalten des Männchens auf dem Nest ist ähnlich, vielleicht ein wenig "flusiger" als das des Weibchens. In der Abenddämmerung sitzt das Weibchen tief und nahezu nicht erkennbar im Nest. Das Männchen ist nun nicht zu entdecken bis es dunkel ist.
Brütendes Seeadler-Weibchen an der Alten Süderelbe in Hamburg
Das Weibchen sitzt brütend im Nest
  • 23. April: Die Beobachtungen vom frühen Morgen bis zum Nachmittag ähneln denen vom Vortag. Meist sitzt das Weibchen im Nest, am Morgen wird es für knapp 2 Stunden vom Männchen abgelöst. Mittags verlässt sie das Nest nachdem die mutmaßlichen Eier gründlich mit Laub und kleinen Zweigen abgedeckt hat für immerhin 68 Minuten. Dies ist zwar eine recht lange Zeit, aber für dieses Stadium der mutmaßlichen Brut nicht so ungewöhnlich. Während dieser Zeit stehen beide Adler nahe dem Ufer der Alten Süderelbe und fressen offenbar. Am Nachmittag verläuft das Brutgeschäft wie gehabt.
  • 24. April: Petra Denkinger und Jan Mewes (beide Schlickfall e.V.) finden am frühen Abend ein unbesetztes Adlernest vor.
  • 25. April: Von 5:30 bis etwa 10:00 kann ich keinen Seeadler auf dem Nest beobachten. Stattdessen stehen Beide zeitweise nahe des Ufers und fressen an der gleichen Stelle wie bereits am 23. April. Mehrfach fliegen sowohl Weibchen wie auch Männchen am Nest vorbei ohne es anzusteuern.

Zusammenfassend lässt sich derzeit wohl sagen, dass vom 21. April bis zum 23. oder 24. April ein erneuter Brutversuch unternommen und abgebrochen wurde. 

Damit dürfte die 2016er Brutsaison für das Paar an der Alten Süderelbe endgültig gelaufen sein. Immerhin bleibt so viel Zeit für die Festigung der Paarbindung für einen neuen Anlauf 2017. Bei Neuigkeiten zum Thema werden wir selbstverständlich berichten. 
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Eine Woche unter Kranichen

Der Duvenstedter Brook ist eines der größten Naturschutzgebiete in der Hansestadt. Es war  das erste Gebiet Hamburgs, in dem nach über 100 jähriger Abwesenheit 1980 der Kranich wieder erfolgreich ansiedeln konnte. Doch natürlich gibt es hier noch viel mehr zu entdecken...

 

Normalerweise wohnt außer dem Förster und seiner Familie niemald hier, von Ende März bis Anfang Juli sind jedoch auch ehrenamtlich aktive  "Kranichwachen" im Betriebshof der Försterei untergebracht. Seit dem 01. April bin ich nun zum zweiten Mal nach 2015 für eine Woche dabei.

Täglich werde ich hier kurze Berichte mit einigen Fotos einstellen. Die Fotos entstehen alle "nebenbei" während meiner Tätigkeit (dazu in den nächsten Tagen mehr) im Gebiet. Bei der gezeigten Auswahl wird Wert darauf gelegt, dass alle Besucher eine Chance haben, das Abgebildete live zu erleben. So werden keine Fotoverstecke oder ähnliches verwendet, die Wege werden -wie es von allen Besuchern eingefordert wird- nicht verlassen und stundenlanges Warten auf bestimmte Ereignisse ist Tabu. Alles was sie hier für ein spannendes Naturerlebnis brauchen ist eine gehörige Portion Neugier, etwas Ausdauer und idealerweise ein Fernglas.

Über Kommentare freue ich mich!

 

Hier ein kleines Begrüßungsvideo, bitte den Ton nicht vergessen einzuschalten:


01. April

Die Woche beginnt traditionell am Freitagnachmittag mit der Schlüssel- und Dokumentationsübergabe durch die vorige Besetzung. Danach richte ich mich kurz in der Unterkunft ein, dann geht es auch schon ins Gelände um sich einen ersten Eindruck zu machen. Einige ranichpaare sind schon seit etwa zwei Wochen im Brutgeschäft, die Mehrzahl wohl noch nicht.

Ein Kranich fliegt in das Moor ein
Ein Kranich fliegt in das Moor ein

Doch es gibt mehr zu sehen und zu hören. Zahlreiche Zugvögel wie die Schwarzkehlchen sind nun zurück und besetzen ihre Reviere, immer mehr Blüten lassen sich am Wegesrand entdecken. Grünfrösche sind aus den Gewässern noch etwas zaghaft zu hören, kein Wunder, nachts ist es noch recht kühl. Mistkäfer kommen aus der Erde gekrochen und krabbeln oder fliegen fort, Sandbienen und Hummeln wärmen sich in der Sonne.

Schwarzkehlchen-Weibchen auf ihrer Sitzwarte, von hier lassen sich leckere Insekten gut entdecken
Schwarzkehlchen-Weibchen auf ihrer Sitzwarte, von hier lassen sich leckere Insekten gut entdecken
Das Schwarzkehlchen-Männchen markiert mit seinem Gesang das Revier
Das Schwarzkehlchen-Männchen markiert mit seinem Gesang das Revier
Buschwindröschen säumen die Wegränder
Buschwindröschen säumen die Wegränder
Buntspecht auf Nahrungssuche
Buntspecht auf Nahrungssuche

02. April

Um 7:00 Uhr geht es raus, kühl ist es. Das Trompeten der Kraniche ist weithin zu hören, über den weiten Wiesen balzen die Kiebitze. Ein Seeadler überfliegt mich und setzt sich kurz in einen Baumwipfel.

 

Ein Kiebitz überfliegt die Wiesen
Ein Kiebitz überfliegt die Wiesen

Von einem Wanderweg aus gut sichtbar baut ein Kranichpaar an seinem Nest auf dem Boden, auch hier soll das Brutgeschäft also bald beginnen.

Kraniche beim Nestbau

Am Mittag und Nachmittag nutzen Greifvögel wie der Rotmilan und Mäusebussarde die Thermik um hoch in den Himmel zu steigen. Viele von ihnen sind noch auf dem Weg in nördlich gelegene Brutgebiete.

Rotmilan im Gegenlicht
Rotmilan im Gegenlicht

In der Mittagssonne kann ich keine 50 Zentimeter vom Wegrand entfernt eine gut versteckte Ringelnatter finden, die sich zwischen trockenem Gras und Laub aufwärmt. Leider Lässt sich in der dichten Vegetation  keine geeignete Perspektive für ein besseres Foto finden. Vielleicht liegt sie in den nächsten Tagen ja mal freier...

Ruhende Ringelnatter
Ruhende Ringelnatter

Momente zum Genießen: Karge Schönheit der Landschaft. Stille bis auf Vogelgesang und das Knistern der sich in der Sonne erwärmenden Vegetation. Legendlich der Flugverkehr stört alle paar Minuten!

Landschaftsimpression aus dem Duvenstedter Brook
Landschaftsimpression aus dem Duvenstedter Brook

Am Abend schaue ich kurz beim brütenden Uhu vorbei. Die größte bei uns vorkommende Eule hat ihren Bestand in Hamburg in den letzten Jahren kräftig ausbauen können.

Brütender Uhu
Brütender Uhu

03. April

Sonntag - viel Sonne bei wechselnder Bewölkung, Temperaturen bis an die 20 Grad: Das bedeutet Besucheransturm auf den Duvenstedter Brook.

Morgens ist der Himmel noch grau, erstaunlich wenige Naturgucker und -fotografen sind anzutreffen. So bleibt etwas Zeit ein Kranichpaar beim Nestbau zu beobachten und zu filmen, das obige Begrüßungsvideo ist eine kleine Sequenz hieraus. Über die Wege bewegen sich in den Morgenstunden überwiegend Frühsportler.

Probesitzen während des Nestbaus
Probesitzen während des Nestbaus

Im Laufe des Vormittags reißt die Wolkendecke immer öfter auf, die Wege füllen sich zusehends mit Spaziergängern.

In der Natur wird es in der Mittagssonne stiller. An den besonnten Wegrändern tummeln sich nun Waldeidechsen, Blindschleichen, Ringelnattern und Kreuzottern. Zumeist sind sie gut im gelbbraunen Gras des Vorjahres und im Laub versteckt und bleiben von uns Menschen unbemerkt. Gelegendlich hört man ein verdächtiges Rascheln im Vorbeigehen. Manchmal präsentieren sich die Reptilien aber auch prächtig in der Sonne und lassen sich entspannt betrachten wenn man hektische Bewegungen vermeidet und sich langsam annähert.

Waldeidechse beim Sonnenbad, keine 50cm vom Wegrand entfernt
Waldeidechse beim Sonnenbad, keine 50cm vom Wegrand entfernt

Nachmittags kommt zum Teil Stadtpark-Atmosphäre auf. Auf den Hauptwegen flanieren Familien, Paare und offenbar auch einige Wandergruppen. Zwischen ihnen rasen, neben vielen rücksichtsvollen Radfahrern, immer wieder einige Mountainbiker in Schlangenlinien hindurch. Die kleinen Parkplätze am Rande des Naturschutzgebietes sind zeitweise komplett gefüllt.

Zum Naturbeobachten komme ich nun kaum, viele Gespräche mit Besuchern mit noch mehr Fragen zu den Kranichen und anderm Getier welches man hier antreffen kann. Auch der Wolf ist immer wieder Thema. Erschreckend, wie weit sich der Mensch zum Teil von der Natur entfernt hat und sich als völlig entkoppelte Spezies ansieht. Dies wird leider immer mal wieder im Gespräch deutlich. Der weitaus überwiegende Teil der Spaziergänger scheint aber bereit sich bei einem solchen Ausflug "ins Grüne" auf die Welt ausserhalb des Großstadtdschungels einlassen zu wollen.

Am Rande lassen sich immer wieder Gesprächsfetzen aufschnappen wie "Papa, stirbt ein Pferd wenn es von einer Kreuzotter gebissen wird?" oder "Ich verstehe nicht, warum man das alter Holz was hier überall rumliegt nicht wegräumt. Hier arbeitet doch ein Förster!".

Sicher weit über 95% der menschlichen Nutzer des Naturschutzgebietes achten die bestehenden Regeln, gravierende Verstöße konnten heute keine festgestellt werden.

 

Am späten Nachmittag höre ich die ersten Moorfrösche im Froschteich blubbern, nach einiger Suche mit dem Fernglas kann ich sie im überwachsenen Bereich in Ufernähe entdecken. Zur Paarungszeit sind die Männchen für wenige Tage himmelblau gefärbt. In den nächsten Tagen werden sie sich sicher noch besser beobachten lassen.

Große Unruhe am frühen Abend auf den zentralen Wiesen: Graugänse, Kraniche und Kiebitze fliegen laut rufend auf. Der Seeadler kommt! Als er sich auf der Spitze eines abgestorbenen Baumes niederlässt, kehrt schnell wieder Ruhe ein.

Auffliegender Kranich und Graugänse
Auffliegender Kranich und Graugänse
Ansitz in der Abendsonne: Der Seeadler
Ansitz in der Abendsonne: Der Seeadler

04. April

Es nieselt. Nach der obligatorischen Fahrradrunde entlang der zu kontrollierenden Kranichreviere wollte ich eigentlich nach Schlangen ausschau halten, ob das bei dem Wetter Sinn macht?

Immerhin: 2 weitere Revierpaare scheinen nun zu brüten.

Kraniche auf Nahrungssuche
Kraniche auf Nahrungssuche

Ein Paar Rotmilane ist noch nicht ganz soweit, sie bauen noch am Nest und ärgern sich dabei mit einer Rabenkrähe herum, der sie offenbar nicht willkommen sind.

Rotmilan und Rabenkrähe im Luftkampf
Rotmilan und Rabenkrähe im Luftkampf

Auf dem Rückweg zur Unterkunft um eine kurze Mittagspause einzulegen sticht mir noch das blühene Hornkraut ins Auge und motiviert mich zu einem kurzen Stopp.

Blühendes Hornkraut am Wegesrand
Blühendes Hornkraut am Wegesrand

Mittags reißt die Wolkendecke vermehrt auf, die Sonne scheint zeitweilig und es wird merklich wärmer. Zeit für die Reptiliensuche! Offenbar schon gut aufgewärmt flüchten Eidechsen und Ringelnattern leider schon in deutlicher Entfernung zu mir. Das Erste was ich näher zu Gesicht bekomme, ist ein ungewöhnlich hell gefärbter Grasfrosch. Die Haut wirkt zum Teil wie durchsichtig, vermutlich handelt es sich um eine Pigmentstörung der Haut.

Ungewöhnlich hell gefärbter Grasfrosch
Ungewöhnlich hell gefärbter Grasfrosch

Auf der Suche nach Schlangen begleitet mich ständig der Gesang der Schwarzkehlchen und versüsst den Blick in die Landschaft, welche mit ihrer kargen Schönheit besticht.

Landschaftsimpression aus dem Duvenstedter Brook
Landschaftsimpression aus dem Duvenstedter Brook

Schließlich ist die Suche doch noch von Erfolg gekrönt und zwei Ringelnattern lassen sich ausgiebig beobachten und fotografieren. Eine der beiden scheint recht neugierig zu sein und kommt züngelnd immer näher, so dass das Fotografieren nicht mehr möglich ist. So kann ich ganz die Begegnung genießen, herrlich!

Ringelnatter auf der Suche nach etwas Sonne
Ringelnatter auf der Suche nach etwas Sonne
Züngelnde Ringelnatter im Profil
Züngelnde Ringelnatter im Profil
Auf Augenhöhe mit der Ringelnatter
Auf Augenhöhe mit der Ringelnatter

5. April

Morgens ist es noch trocken. Nach der obligatorischen Runde um die bekannten Kranichreviere, welche keine neuen Erkenntnisse bringt, geht es heute in den Grenzbereich zum Wohldorfer Wald. Am Rückhaltebecken der Ammersbek suchen zwei Gebirgsstelzen nach Insekten. Mit seinen strukturreichen Uferbereichen und der Stauwand samt "Wasserfall" ist die Aufstauung einer der wenigen geeigneten Habitate für die Art in Hamburg.

Gebirgsstelze auf der Suche nach Wasserinsekten
Gebirgsstelze auf der Suche nach Wasserinsekten
Das aufgestaute Rückhaltebecken der Ammersbek bietet günstige Bedingungen für die Gebirgsstelze
Das aufgestaute Rückhaltebecken der Ammersbek bietet günstige Bedingungen für die Gebirgsstelze

Am Rande des Rückhaltebeckens findet sich ein größerer Bestand des Scharbockkrauts. In kurzer Abstecher auf den nahe gelegenen Waldfriedhof um den wohl bekanntesten Waldkauz Hamburgs zu besuchen ist leider vergebens, der Kauz hat sich für heute offenbar einen anderen Tageseinstand gesucht.

Blühendes Scharbockskraut
Blühendes Scharbockskraut

Eine kleine Besonderheit ist dieses Singschwan-Paar. Während die Artgenossen in unserer Region allenfalls im Winter anzutreffen sind und im hohen Norden brüten, ist dieses Paar ganzjährig anzutreffen und brütet auch hier. Heute balzten sie fleißig auf dem Mühlenteich.

Singschwan-Paar auf dem Mühlenteich
Singschwan-Paar auf dem Mühlenteich

Nachmittags setzt Regen ein, Zeit für Papierkram!


6. April

Die ersten Graugänse führen ihre Jungen! Bereits gestern konnte ich zwei Gössel mit ihren Eltern auf einer Feuchtwiese erahnen, heute sind sie näher. Fünf Gössel kann ich zählen, auch ein paar Fotos liegen drin.

Die ersten Graugänse führen bereits jetzt junge
Die ersten Graugänse führen bereits jetzt junge

7. April

Heute ist der letzte volle Tag für mich im Brook, morgen gegen Mittag kommt die Ablösung.

Der Tag war lang, das mobile Internet funktioniert nur schlecht...

Kraniche beim Brutwechsel
Merke: Beim Brutwechsel immer die Eier nachzählen!
Hohler Lerchensporn im Bruchwald
Hohler Lerchensporn im Bruchwald
Schuppenwurz im Erlen-Bruchwald
Schuppenwurz im Erlen-Bruchwald
Blick vom Beobachtungsstand auf die Zentralen Wiesen und das Große Moor
Blick vom Beobachtungsstand auf die Zentralen Wiesen und das Große Moor

8. April

Nach der morgentlichen Runde bleibt noch etwas Zeit zum Filmen einen brütenden Kranichpaares, dann geht es zurück zur Unterkunft. Sachen packen, die Wohnung auf Vordermann für die Nachfolger bringen.

Kurz nach 13 Uhr endet die Woche für mich - auch wenn ich eine Zweite ranhängen könnte!

Weitere Ergänzungen und Videosequenzen folgen in den nächsten Tagen!


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Die Kraniche ziehen, der Herbst ist da!

Vögel ziehen gen Süden, Laub verfärbt sich, die Nächte werden frisch und morgens ist es nebelig - es ist Herbst!

Ziehende Kraniche über der Windkraftanlage auf dem Energieberg Georgswerder
Ziehende Kraniche über der Windkraftanlage auf dem Energieberg Georgswerder

In der ersten Hälfte der vergangenen Woche zogen alleine rund 6.000 Kraniche über Hamburger Stadtgebiet, die meisten Trupps sehr hoch und nahezu unbemerkt. Einer der besten Punkte der Stadt zur Beobachtung des Vogelzugs dürfte der rund 40 Meter hohe Energieberg Georgswerder sein, bietet er doch je nach Witterung einen Blick bis in etwa 20 Kilometer Entfernung. 

Zum Schutz von nachtziehenden Vögeln bleibt die nächtliche Beleuchtung des Horizontweges während der Hauptzugzeit in den nächsten Wochen ausgeschaltet. So wird das Kollisionsrisiko mit den Windkraftanlagen durch die Lockwirkung des Lichtes reduziert. Ein Beispiel für Naturschutzmaßnahmen durch die gute und konstruktive Zusammenarbeit mit dem Hausherren (BUE - Behörde für Umwelt und Energie) und Betreiber (Stadtreinigung).

 

In den Galerien sind nun einige Fotos aus dem September verfügbar.

Zudem möchte ich noch einmal auf den Ausflugstipp Tister Bauernmoor hinweisen.

 

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Neue Galerien

Nach ungeplant langer Zeit sind seit heute die monatlichen Galerien wieder auf dem Laufenden. Auch im Blog steht die nächste Veröffentlichung kurz bevor.


Hier noch ein ganz aktuelles Foto von gestern:

Einer der beiden diesjährigen Seeadler an der Alten Süderelbe mit einem der "Landschaftspfleger" am Mühlensand/Neuenfelde.

Junger Seeadler an der Finkenwerder Süderelbe
Junger Seeadler an der Finkenwerder Süderelbe
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Hamburger Osterküken

Die Oster-Küken sind bereits am Karfreitag geschlüpft! Nachdem die Graugans in Hamburg einst ausgerottet war, sind die Bestände heute nach Wiederansiedelung weitgehend stabil. Dennoch haben sie vielerorts mit Vergrämung und Bejagung zu kämpfen, etliche Küken werden rund um die Alster alljährlich von freilaufenden Hunden totgebissen.
Diese kleine Graugansfamilie bekam ihren Nachwuchs am Karfreitag und war damit in diesem Jahr die erste in Hamburg. Vogelschutz-Freund und Graugans-Beringer Simon Hinrichs (www.Gans-Hamburg.info) geleitete die Familie vom Brutplatz auf dem Ohlsdorfer Friedhof durch den Stadtverkehr zur Alster, L. Mendel begleitete ihn und drehte mit dem Mobiltelefon dieses absolut sehenswerte Video. Hamburger Stadtnatur pur! Frohe Ostern wünscht Natur in Hamburg!
https://www.youtube.com/watch?v=MJcDy62XYrw

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Jäger im Schilf

Sie zählt zweifelsfrei zu den am besten getarnten Wesen im Hamburger Tierreich: Die Rohrdommel (Botaurus stellaris).

Bis in die dreiziger Jahre des 20. Jahrhunderts war sie ein regelmäßiger Brutvogel, vor allem auf der Elbinsel Wilhelmsburg und in den Vierlanden war sie nicht selten. In den folgenden Jahrzehnten nahmen die Bestände stark ab, Brutnachweise gab es bis in die 1990er Jahre nur noch unregelmäßig,  zuletzt im Kiebitzbrack (Kirchwerder/Neuengamme). 

Am Öjendorfer See, ebenfalls ein ehemaliges Brutgebiet, lassen sich mit etwas Glück im Sommer die tiefen, an ein Nebelhorn erinnernde Rufe unverpaarter Männchen hören.

Im Winterhalbjahr wird der See im Osten der Stadt regelmäßig von mehreren dieser Schreitvögel genutzt. Meist halten sie sich für unsere Blicke unsichtbar im Schilf auf, mit etwas Glück lassen sie sich aber auch am Rand der ausgedehnten Schilfgürtel bei der Nahrungssuche beobachten.

Das folgende Video, aufgenommen im Februar am Öjendorfer See, zeigt zusammengeschnitten einen Teil des Tagesverlaufs des Vogels.

(Bitte am besten im Vollbildmodus anschauen. Das Video hat keinen Ton.)

 

Auffällig ist, dass das Gefieder der Rohrdommel dem des Uhus sehr ähnelt.

Zoologisch zählt sie zur Familie der Reiher und ist somit mit dem bei uns häufiger vorkommenden, etwas größerem Graureiher verwandt. Er brütet unter anderem auch in einer kleinen Kolonie auf der großen Insel im Öjendorfer See. Insgesamt ist der Graureiher im Hamburger Stadtgebiet mit etwa 120 Brutpaaren vertreten.

 

Ausgedehnte Schilfbereiche wie hier am Öjendorfer See bilden das Biotop der Rohrdommel
Ausgedehnte Schilfbereiche wie hier am Öjendorfer See bilden das Biotop der Rohrdommel
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Rückblick: Dezember 2014

Nach einer kurzen Frostperiode zum Beginn des Dezembers wurde es schnell wieder wärmer. Erst zwischen Weihnachten und Sylvester pendelten sich die Temperaturen im für die Jahreszeit üblichen Bereich ein. Somit war 2014 sowohl deutschland- wie auch weltweit das wärmste Jahr seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen 1880/81.

Schlaraffenland zwischen den Weihnachtsmärkten

Lachmöwe im Landeanflug an der Kleinen Alster vor weihnachtlicher Kulisse
Lachmöwe im Landeanflug an der Kleinen Alster vor weihnachtlicher Kulisse

Vom vorweihnachtlichen Treiben in der Innenstadt profitierten auch zahlreiche in der Innenstadt überwinternde Vögel. Besonders an der Kleinen Alster, also zwischen Jungfernstieg und Rathausmarkt tummelten sich hunderte Möwen und Tauben. Zwischen zwei Weihnachtsmärkten gelegen fiel für sie reichlich Fressbares ab.

So boten sich auch für die ehrenamtlichen Beringer der Vogelwarte Helgoland beste Bedingungen zum Fangen und Beringen von Lach-, Silber- und Steppenmöwen.

Viele -vor allem Lachmöwen- lassen sich hier mit ihrer Nummer am Bein wiedererkennen und ihrem Brutgebiet zuordnen. Die meisten im Winterhalbjahr bei uns anzutreffenden Lachmöwen stammen aus dem Baltikum.

Jedes Mal aufs Neue fasziniert mich die Möglichkeit, wilde Tiere in der urbanen Landschaft beobachten und ablichten zu können. Während der Brut und Jungenaufzucht halten sich die meisten bei uns überwinternden Möwen auf kleinen Inseln an der Küste oder in Binnengewässern auf, aber auch Brachflächen und Industrieanlagen im Binnenland werden gerne genutzt. Wichtig ist weitgehende Störungsfreiheit, vor allem durch Prädatoren wie zum Beispiel dem Fuchs, der sowohl Eier und Küken frisst und brütende Altvögel nicht verschmäht. Auch Menschen werden während dieser Zeit gemieden.

Im Winter hingegen zeigt sich die enorme Anpassungsfähigkeit der Tiere: Von Scheu gegenüber Menschen gibt es vielerorts keine Spur mehr. Insbesondere an Orten, an denen regelmäßig gefüttert wird, nähern sich die Vögel Personen mit Toastbrot in der Hand zum Teil bis auf einige Zentimeter. Gelegentlich lässt sich auch mal eine Lachmöwe auf dem Kopf der Nahrungsgeber nieder. Immer mit dabei, wenn es etwas zu fressen gibt: Die Stadttaube. Das Thema Vogelfütterung an öffentlichen Orten ist nicht unproblematisch, so gilt in Hamburg seit 2003 die Taubenfütterungsverbotsverordnung. Auf ihrer Grundlage kann die Fütterung als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Von der Stadt gibt es hierzu ein Infoblatt . Auch das Füttern von Enten und Möwen an Gewässern schafft Probleme, welche von der Stadt in einer Broschüre  dargelegt werden. Auch wenn ich diesen Schriftstücken nicht in allen Punkten zustimme, bilden sie doch eine gute Informationsgrundlage.

Junge Silbermöwe mit "dickem Brocken" vor den Alsterarkaden
Junge Silbermöwe mit "dickem Brocken" vor den Alsterarkaden

Frostiger Morgen im Moor

Gänzlich andere Eindrücke im Friesenwerder Moor, vor der südöstlichen Stadtgrenze in Niedersachsen gelegen. Ende Dezember, während der Weihnachtstage, hat sich so etwas wie "Winter light" eingestellt. Frostige Temperaturen nachts, tagsüber Werte um den Gefrierpunkt. Eine knappe Stunde vor Sonnenaufgang ist es hier nicht nur recht dunkel, sondern auch fast vollkommen still. Im Knick am Rande der schmalen Straße ist eine Amsel zu hören, im Graben ein leises Plätschern, wohl von einem kleinen Fisch.

Der Himmel erhellt sich langsam am Horizont, Schleierwolken ziehen auf. So fängt er im noch fahlen Licht der blauen Stunde an zu leuchten, die ersten Gänsetrupps sind in der Ferne am Himmel zu entdecken. Die weiten, übersichtlichen Grasflächen liefern ihnen optimale Bedingungen für die alltägliche Nahrungssuche, so finden sich tagsüber oft einige Hundert von ihnen ein. Leider fühlen sich Landwirte von ihnen gestört, fressen sie doch das grüne Gras und hinterlassen ihren Dung. So ist seit neuestem der örtliche Jäger mit der Vergrämung beauftragt. Dennoch lassen sich in dieser Gegend im Winterhalbjahr regelmäßig Graugänse, Blässgänse, Weisswangengänse und in geringerer Zahl Saat-, Kanada- und Nilgänse beobachten. Erscheint ein Seeadler am Horizont, fliegen hunderte Gänse innerhalb weniger Sekuden auf, um sich in Sicherheit zu bringen - ein echtes Schauspiel.

Morgentliches Himmelglühen bei frostigen Temperaturen
Morgentliches Himmelglühen bei frostigen Temperaturen
Aufgeflogene Blässgänse
Aufgeflogene Blässgänse
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Maskenammer und Kegelrobben - Kurztrip nach Helgoland

Blick über den Tellerrand: Helgoland im Dezember

Blick von der Westklippe auf die Nordsee
Blick von der Westklippe auf die Nordsee

Helgoland im Dezember -

Wind, diesige Sicht, gedeckte Farben.

 

Während "normale" Menschen bei dem hiesigen Dezemberwetter wohl am ehesten zuhause bleiben oder sich vielleicht zu einer kurzen Runde über den Weihnachtsmarkt aufraffen, zieht es aus gutem Grund viele Naturfreunde trotz der tristen Aussichten auf die zum Kreis Pinneberg gehörende Hochseeinsel Helgoland:

Zum Ende des Jahres bringen die Kegelrobben ihre Jungen auf der vorgelagerten Düne zur Welt. Doch bei einigen Menschen kann ein einziger Vogel den ganzen Terminkalender durcheinander bringen.

Also: Was ist schon "normal"?

Eigentlich war alles anders geplant: Ein befreundeter Naturfotograf hatte eine Woche Helgoland gebucht, um Kegelrobben mit ihren Jungen zu fotografieren. Zu dieser Zeit wollte ich ihn ein oder zwei Tage auf der Insel besuchen.

Am 29.11. wurde dann eine wahre ornithologische Rarität auf Helgoland gesichtet: Eine offenbar verdriftete Maskenammer! Für Deutschland ist das erst der vierte Nachweis dieser Art. Normalerweise kommt die Maskenammer östlich des Urals bis nach Japan und China vor. Immer wieder passiert es, dass einzelne Vögel während des Herbst- oder Frühjahreszugs die Orientierung verlieren und in die falsche Himmelsrichtung oder über das Ziel hinaus fliegen.

Also: Bahnticket kaufen, Fähre und Übernachtung buchen. Die Möglichkeit dieser besonderen Beobachtung möchte ich mir nicht entgehen lassen.

Doch wer Helgoland kennt weiß: In der windigen Jahreszeit ist das nicht immer so einfach. Die Fähre ab Cuxhaven verkehrt je nach Wetterlage längst nicht jeden Tag.

Am 04.12. spielten dann Wetter und mein persönlicher Terminkalender mit. Morgens früh mit dem Metronom nach Cuxhaven, dort legt um 10:30 Uhr die "Funny Girl" ab.  Nach ruhiger Überfahrt wird die Insel pünktlich erreicht, Windstärke 5-6 und ein dunkler Himmel sind zwar nicht die besten Beobachtungs- und Fotobedingungen, aber was soll's. Das erste Ziel ist klar: Der Kringel, so heißt der südwestliche Fels- und Geröllhang der Insel, er hatte sich offenbar an den vergangenen Tagen als bevorzugter Aufenthaltsort des unscheinbar gefiederten Exoten herauskristallisiert. Nach kurzer Suche entdeckte eine andere Beobachterin den Kleinen in einem Hinterhof des Südhafengeländes, unweit des Felshangs.

Perfekt! Kaum 30 Minuten auf der Insel und schon bekomme ich diesen gerade einmal 15 cm kleinen Vogel zu Gesicht - klasse! Nun geht es zur Unterkunft auf dem Oberland um die Übernachtungsutensilien abzulegen.

Eineinhalb Stunden "Tageslicht" sollte der Tag noch hergeben, also genug Zeit für eine Runde auf dem Oberland. Vor der Tür des Hotels flott einen Blick durch das Fernglas in Richtung Düne geworfen: Ja, es sind etliche Kegelrobbe mit ihren Jungen am dortigen Nordstrand. Der Abstecher dorthin für den nächsten Morgen ist also fix.

Auf dem Oberland lässt sich nicht viel tierisches Leben blicken, der Wind hat zugelegt. Vögel und Schafe suchen Schutz in den Senken und sind so schwer zu entdecken. Nur ein paar Schneeammern und ein gemischter Gänsetrupp geben sich die Ehre.

Verlockendes Angebot im "Zum Hamburger"
Verlockendes Angebot im "Zum Hamburger"

Überhaupt, die Insel erscheint mir ungewohnt leer. Noch niemals zuvor war ich im Winterhalbjahr hier. Viele Pensionen sind geschlossen, die wenigen offenen Restaurants sind fast leer. Schon bei der Ankunft sind mir die vielen geschlossenen Buden zum zollfreien Einkauf von Zigaretten und Schnaps aufgefallen.

So sitze ich denn auch beim Abendbrot alleine im Restaurant des Hotels "Zum Hamburger", an der Qualität des Labskaus wird es nicht liegen... lecker! Das beworbene Rinderkotelett klingt zwar verlockend, aber Labskaus ist doch ein echter Klassiker.

Auf dem Zimmer die Fotos des Tages gesichtet und gesichert, dann zeitig ins Bett.

Am kommenden Morgen bin ich der Erste und habe freie Auswahl am Buffet. Viel Zeit für Gemütlichkeit bleibt nicht, nachmittags geht es schließlich mit der Fähre schon wieder heimwärts . Also: Flott die sieben Sachen im Rucksack verstaut. Beim Begleichen der Rechnung sitzen mittlerweile weitere Gäste beim Frühstück und lassen den Blick nach draußen auf die schnell vorbei ziehenden Wolken über der Nordsee schweifen. Es ist noch ziemlich dunkel draußen, etwa 3 Grad über Null bei Windstärke 6. Noch genügend Zeit für eine Runde auf dem Oberland bevor es auf die Düne geht.

Rund eine Stunde später geht es dann die Treppen hinab über das Mittelland hinunter zum Kringelstrand. Ein Sperber schießt auf der Suche nach unachtsamen Kleinvögeln ums Eck. In der unruhigenen Nordsee schwimmen unzählige Möwen und Enten, am kleinen Strand tummeln sich einige Singvögel. Emsig durchstöbern sie die angespülten Algen und den Tang nach fressbarem. Die Wellen zwingen sie immer wieder zum Auffliegen, die Steine und Betonbrocken bieten dann eine sichere, erhöhte Position mit gutem Überblick.

Eine halbe Drehung, schon bäumt sich der Hang des Kringels vor mir auf, ich hoffe die Maskenammer heute noch etwas besser als am Vortag beobachten zu können. Tatsächlich, es geling! Zwischen zwei abgestellten Schuttcontainern wuselt die Ammer, zusammen mit einem Buchfinken, rastlos herum und frisst Sämereien.

Mittlerweile ist es halb Zwölf, Zeit mich auf den Weg zur Dünenfähre zu machen. Jetzt im Winter verkehrt sie nur stündlich und ich bin gespannt auf die Kegelrobben mit ihren Jungen. Die kurze Überfahrt ist etwas kappelig, die Sicht durch die gichtvernebelten Scheiben der kleinen Fähre ist schlecht. Nach wenigen Minuten ist die Düne erreicht, auf geht es Richtung Nordstrand.

Es ist ein faszinierender Anblick: Nahe der Mole, unweit der Brandung des Meeres, liegen dutzende Robben dicht gedrängt am Strand. In deutlichem Abstand zueinander liegen einzelne Muttertiere mit ihrem Nachwuchs.

Jetzt, wo die Jungen geboren werden, sind die größten bei uns vorkommenden Raubtiere besonders störungsempfindlich und können, wenn man ihnen oder ihrem Nachwuchs zu nahe kommt, äußerst aggressiv reagieren. So weisen schon am Anleger mehrsprachige Schilder auf den einzuhaltenden Abstand von mindestens 30 Metern hin. Bei so vielen Meeressäugern am Strand lässt sich dies aber nur schwer realisieren, so bleibe ich direkt an der Betonmauer des Strandzugangs.

Mittlerweile hat sich die Wolkendecke etwas gelichtet, was für das Fotografieren hilfreich ist. Dennoch fängt es an zu regnen. Geschätzte sechzig Meter vor mir liegt ein frisch zur Welt gekommener Heuler, sein helles Fell zeigt noch Spuren der Geburt, der Sand ist blutig. Möwen streiten sich im Hintergrund um die Nachgeburt.

Ähnlich weit entfernt liegt, etwa zwanzig Meter daneben, ein weiterer Heuler. Er robbt zu seiner Mutter, stupst sie an. Daraufhin rollt sie sich etwas zur Seite und das Junge wird gesäugt. Im Bann dieser Beobachtungen fällt der stärker werdende Regen garnicht auf. Die Tiere kommen zur Ruhe und scheinen etwas zu dösen, sicher erschöpft von den zurückliegenden Strapazen der Geburt. Zufrieden ziehe ich mich zurück, mit solch intensiven Momenten hatte ich angesichts der knappen Zeit nicht gerechnet.

Auf dem Weg zur Dünenfähre hüpft ein kleiner Wiesenpieper über den Asphalt, scheint unter einem abgestellten Radlader Wind- und Wetterschutz zu suchen. Nach gerade einer Stunde auf der Düne verlasse ich sie wieder, nass und glücklich.

Annähernd zeitgleich mit der Fähre aus Cuxhaven legt die Dünenfähre an der Hauptinsel an. Es hat aufgehört zu regnen, dafür legt der Wind noch etwas zu. In rund drei Stunden legt die "Funny Girl"  wieder Richtung Cuxhaven ab, schade. Unter den frisch angekommenen Passagieren befinden sich wieder etliche Naturbeobachter und -fotografen. Gut zu erkennen sind sie am schweren Rucksack, dem umgehängten Fernglas und dem meist auf der Schulter getragenen Stativ. So lerne ich noch einige Gleichgesinnte kennen. Rund ein Dutzend sind auch heute wegen der Maskenammer angereist, für die meisten geht es am gleichen Tag wieder zurück auf das Festland. So verbringe auch ich die letzte Zeit auf der Insel am Kringel. Immer wieder zeigt sich die Ammer, um dann unvermittelt für einige Zeit wieder zu verschwinden. Es entwickelt sich ein Gespräch mit einem anderen Hobbyornithologen. Er ist mitten in der Nacht in Sachsen aufgebrochen, um diesen einen Vogel beobachten zu können. Auch auf der Rückfahrt sitzen wir auf dem Schiff zusammen und tauschen uns aus. Für Oktober 2015 wird eine lockere Verabredung getroffen, dann finden auf Helgoland die "Vogeltage" statt. Zwischendurch wird das Gespräch kurz unterbrochen, per Durchsage werden die Passagiere gebeten, auf ihren Plätzen zu bleiben. Die See ist ein wenig rau, ein paar unbesetzte Stühle hält es nicht auf den Beinen. Pünktlich ist Cuxhaven erreicht, nun geht es für mein Gegenüber mit dem Auto zurück nach Sachsen, ich steige in den Metronom nach Hamburg.

Im Zug bin ich in Gedanken bei dem kleinen Vogel: Es ist schon faszinierend zu wissen, dass dieses winzige Tier etliche tausend Kilometer geflogen ist und hier, am falschen Ende Eurasiens angekommen ist. Noch immer stellt uns das Phänomen Vogelzug vor viele Rätsel. Schade, dass die Wahrscheinlichkeit für ein glückliches Ende der langen Reise des unauffällig gefiederten Wesens  äußerst gering ist. Auf Artgenossen wird der Vogel, selbst wenn er je wieder auf dem Festland landen wird, wohl nie mehr treffen.

Nach diesem knapp vierzig Stunden langen Abenteuer mit vielen schönen Momenten wieder zuhause angekommen, stellt sich der Reisezeitpunkt als glücklich gewählt heraus: An den folgenden Tagen fällt die Fährverbindung witterungsbedingt mehrfach aus.

 

Die Maskenammer wurde zuletzt am 18. Dezember beobachtet. Ob sie weitergezogen ist, dem Sperber oder einer Hauskatze zum Opfer fiel, wird wohl für immer unklar bleiben.

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Rückblick: Oktober & November 2014

Zwei weitere sehr warme Herbstmonate sind vorüber. Bundesweit verzeichneten wir 2014 den zweit wärmsten meteorologischen Herbst (September-November) seit Beginn der Wetteraufzeichnung. So waren auch in Hamburg bis Mitte November etwa Schmetterlinge und Libellen zu beobachten. Erst Ende November zogen mit Temperaturen um den Gefrierpunkt vorwinterliche Verhältnisse ein.

November

Herbstliche Farben und beringte Graugänse im Park

Grünes Gras, ein Kinderspielplatz, blauer Himmel, die Sonne spiegelt sich in der Alster. Dazu immer kahler werdende, herbstlich bunte Bäume, deren Laub sich, vom Wind gelöst, auf die Grasflächen und Wege tragen lässt, um dort farbliche Akzente zu setzen. Was will Großstädters Herz mehr?

Es gibt einige Parkanlagen in der Stadt, der relativ kleine Hayns Park zählt sicherlich zu den schönsten. Lachmöwen stehen auf den Dächern der umliegenden Wohnhäuser und beobachten, wo etwas zum Fressen abfallen könnte, Graugänse halten die Grasflächen kurz. Viele von ihnen tragen an einem Bein einen Metallring der Vogelwarte Helgoland, am anderen findet sich ein blau-weißer Kunststoffring mit einem Code. Dieser lässt sich gut ablesen und kann dann gemeldet werden. So lassen sich Lebenslauf und Zugwege der Gans nachvollziehen. 

Farbberingte Graugänse im herbstlichen Hayns Park
Farbberingte Graugänse im herbstlichen Hayns Park

Im Uferbereich zur Alster halten sich meist Stockenten und Blässhühner auf, letztere tragen zum Teil auch Ringe am Bein, natürlich viel kleinere als bei den Graugänsen. All diese Tiere sind aber wild, es handelt sich nicht um Zuchttiere wie es zum Beispiel bei beringten Straßentauben der Fall ist. Leider kommt es immer wieder zu Todesfällen unter den Wasservögeln. Besonders zur Mauserzeit, wenn die Tiere das Gefieder wechseln und nicht flugfähig sind, werden viele Graugänse und andere Wildvögel von freilaufenden Hunden tot gebissen oder verletzt, was sie dann häufig elendig verenden lässt. Umfangreiche Beiträge zu den Themen Vogelberingung in Hamburg und Wildtierschutz in der Großstadt folgen im 1. Quartal 2015.

Graugans-Portrait: Der Schnabel verrät die letzte Mahlzeit
Graugans-Portrait: Der Schnabel verrät die letzte Mahlzeit

Elbwatt am Fähranleger Cranz

Nach dem Besuch des Flughafens Finkenwerder ging es noch weiter zum Este-Sperrwerk beim Fähranleger Cranz. Auf der anderen Seite des Stroms breitet sich das Blankeneser Treppenviertel am Elbhang aus, beim Blick nach rechts lässt sich ein Teil des Mühlenberger Lochs einsehen, im Hintergrund das Airbus-Werk. Bei Niedrigwasser hat man einen guten Blick auf das Elbwatt, in dem zu dieser Jahreszeit abertausende Vögel nach Nahrung suchen. Mit etwas Glück lassen sich hier auf den Wattflächen Seehunde entdecken, die immer häufiger die Elbe hinauf bis nach Hamburg kommen.

An Rande der Fahrrinne machten sich an diesem Tag zwei Mantelmöwen über einen Plattfisch und einige Krabben her. Mit einer Flügelspannweite von rund 160 cm sind diese größten bei uns vorkommenden Möwen eine imposante Erscheinung. 

Mantelmöwe im Anflug
Mantelmöwe im Anflug
Mantelmöwen nutzen die trocken fallenden Bereiche als Nahrungsquelle, hier mit Krabbe und Plattfisch, im Hintergrund eine Silbermöwe
Mantelmöwen nutzen die trocken fallenden Bereiche als Nahrungsquelle, hier mit Krabbe und Plattfisch, im Hintergrund eine Silbermöwe

Getarnte Wintergäste im Vorgarten

Auch in diesem Herbst trafen die im Flecktarn-Gefieder kaum sichtbaren Wintergäste pünktlich vor den Toren Hamburgs ein:

Die Waldohreulen.

Seit vielen Jahren haben sie in einer kleinen Ortschaft wenige Kilometer hinter der niedersächsischen Landesgrenze ihr Winterquartier. Dort sitzen sie tagsüber meist gut versteckt tief in den Thujas und Kiefern. Nur wenn die Sonne angenehm wärmend strahlt, kommen sie hervor und genießen repräsentativ in "erster Reihe" die hellen Momente. Aktiv werden sie aber erst in der späten Dämmerung, wenn sie ausfliegen, um nach Nahrung, ganz überwiegend Mäusen, zu suchen.

Gut versteckt im Ziergehölz: Waldohreule bei der Gefiederpflege
Gut versteckt im Ziergehölz: Waldohreule bei der Gefiederpflege

Oktober

Herbstzeit ist Zugzeit

Die meiste mir zur Naturbeobachtung zur Verfügung stehende Zeit verbrachte ich im Oktober, dem typischen "Zugmonat", auf dem Energieberg Georgswerder, um Zugvögel auf dem Weg in ihre Winterquartiere zu beobachten und zu zählen. Üblicherweise finden diese Zählungen 3 Stunden ab Sonnenaufgang statt. Oktober, Sonnenaufgang, Elbe...war da nicht was? Genau: Nebel! Etliche Male bin ich zeitig zuhause aufgebrochen, um dann auf dem Berg im Nebel zu stehen, Sichtweite mehrmals unter 30 Metern. 

An Tagen mit guter Sicht lohnten sich dagegen die Beobachtungen. Zehntausende Zugvögel konnten so über der Stadt gezählt werden. Unter ihnen vor allem verschiedene Gänsearten, viele Kraniche und Ringeltauben. Letztere, nicht zu verwechseln mit Straßentauben, bilden oft große Schwärme. Allein am 30. Oktober konnten fast 36.000 von ihnen vom Energieberg aus gezählt werden. 

In Richtung Südwest ziehende Kraniche
In Richtung Südwest ziehende Kraniche

Neben den Zugvögeln ließen sich aber auch wieder die ganzjährigen Bewohner unserer Stadt bei ihrem Treiben vor städtischer Kulisse bestens beobachten, wie zum Beispiel der Turmfalke im Rüttelflug auf der Suche nach Mäusen vor dem Stadtpanorama.

Rüttelnder Turmfalke, das Rathaus im Hintergrund ist genau 5 km entfernt
Rüttelnder Turmfalke, das Rathaus im Hintergrund ist genau 5 km entfernt

Auch im warmen Oktober konnten noch zahlreiche Insekten wie dieser Tagfalter der Gattung Colias (wahrscheinlich die Goldene Acht) und der Mauerfuchs beobachtet werden. Sie nutzen im Herbst jede sich bietende Möglichkeit, um Sonne zu tanken. Dabei warf der abgebildete Schmetterling durch die tiefstehende Nachmittagssonne seinen Schatten attraktiv auf das Kleeblatt.

Tagfalter in der tiefstehenden Herbstsonne auf dem Energieberg Georgswerder
Tagfalter in der tiefstehenden Herbstsonne auf dem Energieberg Georgswerder
Abendliches "Himmelsglühen" über Wilhelmsburg
Abendliches "Himmelsglühen" über Wilhelmsburg

Arktische Gänse 

Für unsere Region typische Wintergäste sind die Weißwangengänse. Der überwiegende Teil der meist in großen Gruppen zu beobachtenden markant weiß-schwarz-grauen Gänse brütet in der russischen Arktis, wo die Temperatur auch im Sommer oft nicht  über die 10 Grad-Marke klettert. Dort stellen Moose und Flechten die Hauptnahrung dar, bei uns im Winterquartier ist ihre Nahrung mit dem saftigen Gras unserer Weiden nahrhafter. Kleine Krebstiere aus  Gewässern oder dem Watt der Tideelbe ergänzen ihr Nahrungsangebot, im Frühjahr kommen noch Weidenkätzchen und diverse Knospen hinzu.

In Hamburg lassen sich die Gänse am besten in den Finkenwerder Westerweiden vom Wanderweg aus beobachten. In noch deutlich größerer Zahl (bis etwa 8.000 Individuen) verbringen sie das Winterhalbjahr in der Wedeler Marsch.

Weißwangengänse sind meist in großen Trupps anzutreffen
Weißwangengänse sind meist in großen Trupps anzutreffen
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Besinnliche Weihnachten wünscht Natur-in-Hamburg.de

Wir wünschen allen Naturfreunden und Unterstützern ein frohes, besinnliches Weihnachtsfest. In der Galerie befinden sich nun endlich auch Fotos aus dem Oktober und November, die entsprechenden Blog-Einträge kommen im Laufe der Feiertage dazu. 

Ebenso erscheinen noch in diesem Jahr ein kurzer Beitrag zum Thema Silvester und ein Bericht über einen spontanen Kurztrip nach Helgoland.

Also: Lassen sie sich reich beschenken und bis bald!

Waldohreule in einer verschneiten Kiefer im Winterquartier (Archivaufnahme aus dem März 2013, Landkreis Stade)
Waldohreule in einer verschneiten Kiefer im Winterquartier (Archivaufnahme aus dem März 2013, Landkreis Stade)
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Sonntagmorgen, XFW

9. November, 6:30 Uhr, Hamburg-Hamm. Der Wecker dröhnt. Raus aus dem Bett, Gardine beiseite geschoben, ein Blick ostwärts in den Himmel: Alles bestens, weitestgehend klar! Also ab ins Badezimmer. Ohne Frühstück aus dem Haus, Fernglas um den Hals, Rucksack mit den sonstigen Notwendigkeiten auf dem Rücken. 

 

Erster Stopp auf der Veddel, beringte Möwen ablesen (ein Beitrag zum Thema Vogelberingung in Hamburg ist in Planung). Danach geht es Richtung Westen, Ziel ist das Mühlenberger Loch. Kurzer Stopp in Finkenwerder, Brötchen holen - es ist schließlich Sonntag. Aus diesem Grund geht es durch den Ortskern und nicht über die "Ufi", wie die Ortsumgehung von den Meisten hier genannt wird. Mit einer scharfen Linkskurve am Ende des Siedlungsbereiches öffnet sich der Blick, der Flughafen Finkenwerder -Kürzel XFW- liegt vor, oder besser gesagt, neben mir.  

Die Sonne steigt im Südosten langsam den Himmel hinauf. Der Schatten des grünen Metallzauns, der das Airbus-Gelände umspannt, ist noch lang. Soll ich einen kurzen Blick auf das Gelände werfen? Ach ne, erst einmal wie geplant weiter zum Este-Sperrwerk. Dort dürfte das Wasser zu dieser Zeit, es ist mittlerweile 10 Uhr, schon einen Teil des Watts im Mühlenberger Lochs freigegeben haben.

Moment, was ist das? Ein Turmfalke wird direkt an der Aussichtsplattform von einer Krähe "gemobbt"... also: Planänderung!

Fix gewendet, was hier wochentags einem Himmelfahrtskommando gleich käme, und auf den Parkplatz eingebogen.

Als ich aussteige, ist das Spektakel längst vorbei. Na gut, nun kann ich auch erst einmal hier schauen, was so los ist. Alles wirkt ein wenig ungewohnt: Man kann den Wind hören, kein Triebwerks-Getöse stört die Ruhe. Auf dem Neßdeich, wo wochentags zu fast jeder Zeit kaum enden wollende Blechkaravanen rollen, sind nur wenige Fahrzeuge unterwegs - schön! Dazu die noch erstaunlich wohlig strahlende Sonne.

Den Turmfalken sehe ich in einiger Entfernung über die Start- und Landebahn fliegen, er kommt direkt auf mich zu. Niedrig über dem Gras gleitet er auf den Zaun zu - und landet rund 20 Meter vor mir auf eben diesem. Diese einzelne Person auf dem Parkplatz scheint interessant zu sein, oder zumindest das klickende Ding in dessen Händen. Nach einigen Sekunden gegenseitigen Betrachtens fliegt der kleine Greifvogel wieder ab und widmet sich seiner Hauptbeschäftigung: Der Suche nach Mäusen.

Nach dieser schönen Begegnung kann ich glücklich und ohne "Erfolgsdruck" die wenigen Stufen zur Aussichtsplattform hinaufsteigen, um mit dem Fernglas das Gelände nach weiterem Getier abzusuchen. So völlig alleine stand ich hier zuvor noch nie, meist sind hier "Spotter" anzutreffen. So nennen sich Flugzeug-Enthusiasten, die, meist mit großen Objektiven, auf der Pirsch nach Maschinen mit besonderer Lackierung oder den Belugas (so heißen die riesigen Airbus-Transportflugzeuge) sind.

Oh, was ist denn da auf der Asphaltpiste? Treffer: Zwei adulte Seeadler sitzen einträchtig neben einander und scheinen die wärmende Sonnenstrahlung zu genießen. Sie dösen und pflegen ihr Gefieder.

Mit der Ruhe ist es dann aber, zumindest für die Adler, schnell vorbei. Eine Saatkrähe nähert sich rufend und fängt an, die großen Greife zu ärgern. Das Verhalten kennt man in ähnlicher Form auch bei uns Menschen: Ständige kleine Sticheleien, gefolgt von frecheren Provokationen. 

Als wenig später eine zweite Saatkrähe eintrifft und den Artgenossen unterstützt, wird es dem Seeadlerpaar zuviel, beide fliegen kurz nacheinander in Richtung Mühlenberger Loch ab. 

Fast 11:30 Uhr, es ist auch für mich Zeit zum Este-Sperrwerk aufzubrechen, dort ist bald der niedrigste Wasserstand der Tide erreicht. Gefrühstückt habe ich auch noch nicht...

Also auf zur nächsten Etappe, aber das wäre Stoff für eine weitere Episode...

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Rückblick: September 2014

Der September fügte sich vom Wetter gut in den bisherigen Jahresverlauf ein: Er war deutlich wärmer und trockener als im langjährigen Durchschnitt. So ließen sich zum Beispiel lange zahlreiche Schmetterlinge beobachten. Der Vogelzug kam dagegen eher schleppend in Gang.

Zur September-Galerie mit weiteren Aufnahmen geht es hier.

Einflugschneise Elbe - Am Schlafquartier der Stare

Stare beim abendlichen Einflug in den Schilfgürtel am Heuckenlock, alleine auf diesem Foto sind etwa 3000 Vögel abgebildet
Stare beim abendlichen Einflug in den Schilfgürtel am Heuckenlock, alleine auf diesem Foto sind etwa 3000 Vögel abgebildet

Es ist ein fantastisches, herbstliches Naturschauspiel östlich der Autobahn A1:

Der allabendliche Einflug der Stare (Sturnus vulgaris) in die Schilfgürtel der Naturschutzgebiete Heuckenlock und Schweensand. Ende September waren es etwa 110.000 Vögel, welche in mehreren großen Schwärmen in der Dämmerung einfliegen. Häufig überfliegen sie dabei mehrfach die Gebiete und zeichnen dabei die unterschiedlichsten Figuren in den Himmel.

Je nach Witterung und Nahrungsangebot bleiben die Stare bis weit in den November, bevor sie weiter in den Süden ziehen.

 

Auf dem Energieberg Georgswerder - Wandeln auf Müll

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Deponie zunächst für Trümmer und Schutt genutzt, später  kamen Haus- und Sondermüll dazu. Nach der Schließung der Deponie 1979 verhindert der Austritt von Deponiegas die Nutzung als öffentlicher Park. 1983 wird zudem das hochgiftige Dioxin nachgewiesen. Nach langen Sicherungs- und Baumaßnahmen wurde der Berg mit Windkraftanlagen und Solaranlagen ausgestattet, durch die Verrottung des Mülls entstehende Wärme und Gase werden nun zur Wärme- und Energieversorgung genutzt.

2013 wurde der ehemalige Müllberg, umbenannt in  Energieberg, im Rahmen der IBA für die Öffentlichkeit zum Teil zugänglich gemacht. Der die etwa 40 Meter hohe Bergkuppe umlaufende Horizontweg bietet einen fantastischen Rundblick über die Stadt. 

Zwei Mäusebussarde nutzen den Rundweg als Ansitz
Zwei Mäusebussarde nutzen den Rundweg als Ansitz

Bei klarem Wetter lässt sich von hier oben hervorragend der herbstliche Vogelzug beobachten. Während die meisten Kleinvögel und zum Beispiel Ringeltauben, die schon einmal Schwärme von über 10.000 Tieren bilden, eher am frühen Morgen ziehen, lassen sich Greifvögel und Kraniche am besten ab dem Mittag beobachten. Ziehende Gänse fliegen sowohl am Tag wie auch bei Nacht.

Zahlreiche Singvögel machen auf dem Berg mit seinen vielen, mit Beeren bespickten Gebüschen Rast, bevor sie weiter in den Süden ziehen.

Insgesamt bietet der Berg zahlreichen Tieren einen Rückzugsraum, da er in weiten Teilen nur unregelmäßig von Menschen betreten wird. 

So wurde zum Beispiel auf der Südseite durch einen Wilhelmsburger Naturschützer ein kleiner Sandhügel mit steiler Abbruchkante angelegt. Hier haben Wespen ihr Nest in einer Höhle angelegt, zudem genießen zahlreiche Schmetterlinge wie der recht seltene Mauerfuchs (Lasiommata megera) die wärmende Herbstsonne. Fotos hierzu gibt es in der Galerie.

Steinschmätzer rasten während der Zugzeit im Frühjahr und Herbst regelmäßig auf dem Energieberg, hier eine Aufnahme im letzten Abendlicht
Steinschmätzer rasten während der Zugzeit im Frühjahr und Herbst regelmäßig auf dem Energieberg, hier eine Aufnahme im letzten Abendlicht

StadtNatur-Schnappschuss

Bei diesem Foto wird es sicher einigen Betrachtern kalt den Rücken runterlaufen, aber sie gehören zur StadtNatur, die Wanderratten (Rattus norvegicus).

Hier im Holzhafen taten sich mehrere an einer gut 30 cm langen Brasse (Abramis brama) gütlich. Meist wurden Stücke herausgetrennt und weggeschleppt. Dieses Jungtier hingegen fraß in aller Ruhe direkt vom Kadaver. Ausgewachsenen Exemplare der ursprünglich in Nordost-Asien verbreiteten Art können eine Gesamtlänge von knapp über 50 cm erreichen.

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Ausflugstipp Oktober: Kraniche im Tister Bauernmoor

Tausende Kraniche fliegen derzeit jeden Abend in das Moor ein, um dort sicher zu nächtigen. Morgens bei Sonnenaufgang fliegen sie dann laut trompetend ab, um in der näheren Umgebung nach Nahrung zu suchen. Ab November ziehen sie weiter in ihre Winterquartiere.

Das Tister Bauernmoor, gut 40 km  südwestlich vom Zentrum Hamburgs nahe der Autobahn A1 gelegen, ist der größte Kranich-Rastplatz in der näheren Umgebung der Metropole. Mit dem PKW ist es von den meisten Punkten der Stadt aus in weniger als einer Stunde zu erreichen. 

Während der Brutsaison halten sich nur einige Paare der großen Schreitvögel im Moor auf und ziehen hier ihre Jungen groß. Ab September steigen die Bestände dann rasant an, auf dem Höhepunkt sind etwa 10.000 Kraniche zu bestaunen. Insbesondere skandinavische Brutvögel nutzen die Region als Rastplatz für mehrere Wochen, um die Energiereserven für die weitere Reise in ihre Winterquartiere in Frankreich und auf der Iberischen Halbinsel. Im Laufe des Novembers verlassen die meisten von ihnen das Gebiet in Richtung Süden. 

Neben Kranichen sind im Herbst auch zahlreiche nordische Gänse im Gebiet, ganzjährig sind regelmäßig unter anderem Seeadler zu beobachten.

Morgenstimmung im Moor
Morgenstimmung im Moor

Ein Besuch lohnt sich vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung. 

Entscheidet man sich für den Morgen, empfiehlt es sich, bereits etwa 45 Minuten vor Sonnenaufgang vom Parkplatz aus aufzubrechen. Schon hier ist oft das Trompeten der Kraniche aus der Ferne zu hören. Dem breiten, mit geschreddertem Holz befestigten Weg lässt sich nach kurzer Gewöhnung an die Dunkelheit auch ohne Taschenlampe gut folgen. Eine leicht mystische Atmosphäre erfüllt die Dämmerung, häufig bildet sich ein Nebelschleier über dem feucht-nassen Boden. Die frische Luft riecht leicht moderig,  für Großstädter ungewohnt. Nach etwa 20 Minuten kommt man am Beobachtungsturm an. Spätestens hier sollten eventuell genutzte Lampen ausgeschaltet werden, um die Tiere nicht zu stören.

Bei nahendem Sonnenaufgang werden die Rufe der Kraniche eindringlicher. Die Unruhe in der Schar nimmt spürbar zu, viele springen in die Luft und entfalten ihre Flügel. Kurz bevor sich die Sonne hinter dem Wald am Horizont erhebt, fliegen die ersten kleineren Trupps ab.  Im Minutentakt ändert sich die Lichtstimmung, kein Morgen ist wie der andere. In den nächsten halben Stunde fliegen fast alle Kraniche ab, viele nah am Beobachtungsstand vorbei. So lassen sie sich auch hervorragend im Flug beobachten. Diese Momente haben schon vielen Besuchern unerwartet zu einer Gänsehaut verholfen.

Nur wenige Kraniche lassen sich deutlich mehr Zeit bei der Gefiederpflege oder dösen noch etwas in der Morgensonne und fliegen erst am späteren Morgen ab.

Die Sonne spendet nun etwas mehr Wärme, Zeit, sich auf den Rückweg zu machen. Denn hier hat der Wanderweg dem Besucher nun im Tageslicht noch mehr zu bieten.

Nah am Beobachtungsturm vorbei...
Nah am Beobachtungsturm vorbei...
...fliegen die Kraniche der morgendlichen Sonne entgegen
...fliegen die Kraniche der morgendlichen Sonne entgegen

Das gut ausgebaute Wegenetz ist bewusst knapp gehalten. So lässt sich das Gebiet für Besucher aller Altersklassen erleben, ohne dabei die Rückzugsräume der störungsempfindlichen Tiere anzutasten. Informationstafeln geben umfangreiches Wissen zu Entstehungsgeschichte, Pflanzen, Tieren und der Rolle von Mooren im Klimaschutz an Jung und Alt weiter. In der "Moorerlebniszone" kann der Lebensraum Moor mit allen Sinnen erlebt werden, Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen ein. Für Kinder wie Erwachsene ein kleines Paradies!

Blick aus dem barrierefreien Beobachtungsstand. Die vielen Kraniche ziehen ebenso wie die fantastischen Lichtstimmungen im Moor zahlreiche Naturfotografen an.
Blick aus dem barrierefreien Beobachtungsstand. Die vielen Kraniche ziehen ebenso wie die fantastischen Lichtstimmungen im Moor zahlreiche Naturfotografen an.
Umfangreiche Besucherinformation unweit des Parkplatzes
Umfangreiche Besucherinformation unweit des Parkplatzes

Jetzt, wo es still geworden ist im Moor, stellt sich vielleicht die Frage, wo die Kraniche wohl hingeflogen sind. Lässt man auf dem Weg nach Hause die Blicke über die in der Region zahlreichen Maisfelder schweifen,  beantwortet sie sich mit etwas Glück:

Die abgeernteten Felder wirken auf die großen Vögel wie ein gedeckter Tisch, die liegengebliebenen Maiskörner liefern ihnen viel Energie. Auch andere landwirtschaftlich genutzte Flächen bieten reichlich Nahrung.

Auf den wenig befahrenen Landstraßen kann man oft guten Gewissens am Rand anhalten und den Kranichen zusehen. Aus dem Auto aussteigen sollte man jedoch nicht, sofort würde der Fluchtinstinkt greifen und sie würden abfliegen.

Nahrungssuche auf einem Feld
Nahrungssuche auf einem Feld
Beim Abtransport verloren gegangene Maiskörner werden auch von der Straße aufgelesen
Beim Abtransport verloren gegangene Maiskörner werden auch von der Straße aufgelesen

Wer morgens lieber ausschläft, kann den abendlichen Einflug der Kraniche für einen Ausflug nutzen. In diesem Fall sollte man am frühen Nachmittag am Parkplatz eintreffen. Sonn- und feiertags können hier im Café Tee, Kaffee und Kuchen genossen werden. Als Alternative zur Wanderung  kann (ebenfall nur sonn- und feiertags) eine Fahrt mit der Moorbahn gebucht werden, diese hält nahe der Beobachtungsstände. Auf diesem Wege ist die Kranichbeobachtung auch barrierefrei möglich.

Der Einflug in das Moor beginnt mit der Dämmerung und endet mit dem letzten Tageslicht. So macht es Sinn, auf dem Hinweg genügend Zeit einzuplanen, um die Landschaft genießen zu können. Auf dem Rückweg wird es schon ziemlich dunkel sein.

Abendlicher Einflug in das Moor
Abendlicher Einflug in das Moor

Tipps für Besucher

Mitnehmen sollte man auf jeden Fall einen Fotoapparat. Hier reicht gegebenenfalls eine Kompaktkamera aus, selbst mit den in modernen Mobiltelefonen integrierten Kameras lässt sich die besondere Atmosphäre einfangen. Nutzen sie doch auch einmal die Videofunktion des Mobiltelefons oder der Kamera, so lässt sich auch die imposante Geräuschkulisse der Kraniche einfangen. Wenn vorhanden, sollte auch ein Fernglas dabei sein, so lässt sich das Verhalten der Kraniche besser beobachten.

 

Bei einem Besuch eines so sensiblen Lebensraumes wie dem Tister Bauernmoor ist die Einhaltung einiger Regeln zum Schutze der Natur unerlässlich. Hier die wichtigsten:

Die vorgegebenen Wege dürfen nicht verlassen werden. Eine Karte des Wegenetzes kann heruntergeladen werden. 

Während der Rastzeiten vom 15. 09. bis zum 15. 12. und vom 15.02. bis zum 30. 04. ist das Mitnehmen von Hunden ist nicht gestattet, außerhalb dieser Zeit müssen sie an der kurzen Leine geführt werden. 

Ungewohntes Licht macht die Kraniche nervös und bereitet ihnen Stress. Im Bereich der Beobachtungstürme dürfen daher keine Taschenlampen verwendet werden, das Fotografieren mit Blitzlicht ist nicht erlaubt und bei der Entfernung zu den Kranichen ohnehin wirkungslos. Die Blitzfunktion der Kamera sollte unbedingt vorher ausgeschaltet werden. Des weiteren ist Lärm zu vermeiden, sowohl um die Tiere nicht zu stören, als auch um allen Besuchern den Genuss des Trompetenkonzerts der "Vögel des Glücks" zu ermöglichen.


Weiterführende Informationen über das Schutzgebiet gibt es auf der offiziellen Internetseite.

 

Wenn sie die Kraniche im Tister Bauernmoor besucht haben, würde ich mich über einen Kommentar freuen.

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Rückblick: Sommer 2014 (Juni-August)

Während der Juni und Juli mit meist trockenem, warmem Sommerwetter aufwarteten, war der August eher zu kühl und zu nass. Was der Vegetation gut tat, erschwerte einigen Insekten und somit auch anderen Tieren, die auf diese als Nahrungsgrundlage angewiesen sind, das Leben. Insgesamt dürfte der bisherige Jahresverlauf aber nach den beiden vorangegangenen Jahren mit ihren harten, langen Wintern die Bestände vieler Arten gestützt haben. So hatten zum Beispiel viele Vogelarten gute Voraussetzungen für erfolgreiche Zweit- und Drittbruten.

 

Übrigens: Für das kommende Jahr können sie sich die Natur in Hamburg in die eigenen 4 Wände holen.

August

Ungewöhnlicher Deichvogel

Auf dem Geländer der Schleuse wird die geringe Größe deutlich: Ein Graureiher ist etwa doppelt so groß wie der Kuhreiher
Auf dem Geländer der Schleuse wird die geringe Größe deutlich: Ein Graureiher ist etwa doppelt so groß wie der Kuhreiher
Die Wilhelmsburger Wühlmäuse schienen dem Reiher zu schmecken
Die Wilhelmsburger Wühlmäuse schienen dem Reiher zu schmecken

Am 8. August "stolperte" ein Wilhelmsburger Vogelfreund auf dem Weg zu Arbeit direkt vor der Ernst-August-Schleuse über einen ungewohnten "Deichläufer". Der Blick ins Bestimmungsbuch bestätigte die Vermutung: Es handelte sich um einen Kuhreiher (Bubulcus ibis)

Durch die Meldung an die einschlägigen Internetseiten wurden schnell etliche Vogelbeobachter auf die Besonderheit aufmerksam, und so entwickelte sich der vorgelagerte Parkplatz direkt am Deich für ein Wochenende zum Treffpunkt zahlreicher vogelbegeisterter Menschen.

Die Herkunft des kleinen Reihers ist unklar, der größte Teil der europäischen Population lebt auf der iberischen Halbinsel, einige Brutpaare gibt es auch in Westeuropa. Möglicherweise handelte es sich auch um einen Irrgast aus dem Südosten oder um einen Gefangenschaftsflüchtling. Große Scheu zeigte der Vogel nicht, bis auf deutlich unter 10 Meter konnte man sich vorsichtig annähern. Freilaufende Hunde hingegen lösten seinen Fluchtreflex aus, mehrfach flog er aus diesem Grunde auf und brachte sich in Sicherheit, so kam es auch zur Landung auf dem Geländer am Rande der Schleuse.

Als geschickter Jäger konnte der leuchtend weiße Vogel zahlreiche Wühlmäuse erbeuten und leistete so einen Beitrag zur Deichsicherheit. Als Zwischenmahlzeit mussten etliche Heuschrecken herhalten. 

Zuletzt gesichtet werden konnte der seltene Gast am Abend des 10. August. Es handelt sich hierbei um die dritte dokumentierte Beobachtung in Hamburg. 

Mehr Fotos gibt es in der Galerie.

 

 

Grün-gelber Winzling

Mikrokosmos: Binsenschmuckzikade im Wirrwarr von Halmen
Mikrokosmos: Binsenschmuckzikade im Wirrwarr von Halmen

Keine Seltenheit - und trotzdem selten wahrgenommen. Mit unter einem Zentimeter Körperlänge entzieht sich die Binsenschmuckzikade (Cicadella viridis) den meisten menschlichen Blicken, obwohl sie auf vielen feuchten Wiesen mit Binsen zahlreich vorkommt, in diesem Fall auf einer kleinen Fläche am renaturierten Bach Engelbek in Hamburg-Marmstorf. Hier gibt es auch einen kleinen, durchnässten Erlenbruchwald. Leider stehen viele Anwohner der Renaturierung des einst weitestgehend kanalisierten Baches skeptisch gegenüber und empfinden die Grünflächen, die zahlreichen Tieren und Pflanzen einen geeigneten Lebensraum bieten, als zu unordentlich.

Spätsommer und Herbst: Achtung - WILD!

Äsende, diesjährige Rehe
Äsende, diesjährige Rehe

Spätsommer - die Sonne neigt sich wieder früher dem Horizont entgegen und die Nächte werden länger. Der Übergang zwischen Tag und Nacht ist die aktivste Tageszeit bei dem Reh- und Damwild. Gerade jetzt zur Balz- und Paarungszeit ist wieder erhöhte Vorsicht bei Dämmerungsfahrten geboten.

Wärmeliebender Einwanderer

Die Gemeine Sichelschrecke wurde bisher nur an zwei Orten in Hamburg entdeckt
Die Gemeine Sichelschrecke wurde bisher nur an zwei Orten in Hamburg entdeckt

Bis vor einigen Jahren kam die Gemeine Sichelschrecke (Phaneroptera falcata)  in Deutschland nur in wenigen, klimatisch begünstigten Regionen vor. Mit steigenden Durchschnittstemperaturen erweitert sie ihren Lebensraum zusehends auch Richtung Norden. In Hamburg sind seit 2013 zwei kleine Vorkommen bekannt, weitere wurden möglicherweise übersehen. Dieses Weibchen krabbelte in einem Himbeerbusch auf einer Brachfläche im Hafengebiet.


Nachtrag (09.09.): Wie mir eben bekannt wurde, wurden mittlerweile auch Sichelschrecken in Hamburgs Norden entdeckt.

Heideblüte

Abendstimmung in der Fischbeker Heide
Abendstimmung in der Fischbeker Heide

Jedes Jahr ab etwa Mitte August verwandelt sich die Fischbeker Heide für einige Wochen in eine verwunschene lila Hügellandschaft. Besonders in den Morgen- und Abendstunden, wenn das Licht der tiefstehenden Sonne  die Blüten der Besenheide (Calluna vulgaris) funkeln lässt, ergeben sich berauschende Ansichten, vollendet von ihrem süßen Duft. Nach feuchten Nächten glitzern morgens dazu die unzähligen, taubenetzten Spinnennetze.

Juli

Ungeliebte Mehlschwalben

Junge Mehlschwalben lugen aus der Nisthöhle hervor
Junge Mehlschwalben lugen aus der Nisthöhle hervor

Verschandelung der Fassade, Lärm und Kot an der Hauswand und auf dem Boden - so denken viele Hausbesitzer und -verwalter. So haben es Mehlschwalben (Delichon urbicum) besonders in großen Städten wie Hamburg immer schwerer. Diese beiden Jungvögel haben Glück, Hausbesitzer und Mieter sind ihnen gegenüber freundlich gesinnt. So konnten ihre Eltern unbehelligt direkt vor einem russischen Supermarkt in Hamburg-Neugraben brüten. Etwa acht Wochen später machen sich auch die Jungen auf den Weg in ihr Winterquartier im südlichen Afrika, nachdem sie zuvor abertausende Mücken und andere Insekten verspeist haben. Mit etwas Glück kehren sie in den Folgejahren nach Neugraben zurück, um ihrerseits hier zu brüten.

Die Bestände in Deutschland sind rückläufig, die Mehlschwalben sind ebenso wie ihre Nester geschützt. Das Entfernen der Nester ist nur mit behördlicher Genehmigung bei Schaffung von Ersatz zulässig, bei Missachtung drohen empfindliche Geldbußen.

 

Seltene Insekten

Perfekt an die Umgebung angepasst: Die Blauflügelige Sandschrecke
Perfekt an die Umgebung angepasst: Die Blauflügelige Sandschrecke

Die Blauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans) hat sehr spezielle Ansprüche an ihren Lebensraum. Warm muss es sein, dazu nahezu vegetationslos. So kommt sie in Deutschland nur noch an wenigen Orten wie ehemaligen Truppenübungsplätzen oder Güterbahnhöfen mit ihren Schotterflächen vor. 

In Hamburg sind seit 2013 zwei Vorkommen bekannt: Eines auf einem nicht zugänglichen Bahngelände in Altona und eines an Gleisanlagen und anschließender Industriebrache in Altenwerder. Bei letzterem konnte in diesem Jahr auch die Reproduktion nachgewiesen werden. Aufgrund ihrer exzellenten Tarnung wurde sie möglicherweise andernorts übersehen, nur wenn sie auffliegt, werden ihre auffällig blauen Flügelflächen sichtbar. Verwechselungsgefahr besteht mit der deutlich häufigeren Blauflügeligen Ödlandschrecke, mit der sie häufig gemeinsam auftritt.

Vermutlich breitet sich die Art über Mitfahrgelegenheiten auf Güterzügen entlang von Bahntrassen weiter aus und lässt sich an geeigneten Standorten nieder. Allerdings verfügen Heuschrecken auch über hervorragende Flugfähigkeiten.

Nach der noch gültigen Roten Liste für Hamburg (2007) gilt die Art als ausgestorben bzw. verschollen, bei der anstehenden Aktualisierung wird sie vermutlich mit Kategorie 2 (stark gefährdet) dieselbe Einordnung wie bundesweit erhalten.

Mehr Fotos gibt es in der Galerie.

Frisch geschlüpfte Grüne Mosaikjungfer
Frisch geschlüpfte Grüne Mosaikjungfer

Gänzlich anders sind die Habitat-Ansprüche der Grünen Mosaikjungfer (Aeshna viridis).  Die in Hamburg als stark gefährdet geltende Art ist bundesweit vom Aussterben bedroht (Rote Liste Kategorie 1). Sie ist abhängig von Gewässern mit Vorkommen der Krebsschere, einer anspruchsvollen Wasserpflanze, die sehr empfindlich auf Gewässerverunreinigungen und stark schwankende Wasserstände reagiert. 

Das Foto zeigt ein frisch geschlüpftes Exemplar an seiner Exuvie (Larvenhülle) auf einer NABU-Pachtfläche an der Mellingburger Alsterschleife.

Kraniche im Duvenstedter Brook

Kraniche: Jung- und Altvogel im Duvenstedter Brook
Kraniche: Jung- und Altvogel im Duvenstedter Brook

Kraniche (Grus grus), die Vögel des Glücks, waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Hamburg als Brutvögel ausgestorben. Seit den 1980er Jahren siedelten sich wieder einige Brutpaare im Naturschutzgebiet Duvenstedter Brook im Norden der Hansestadt  an.

Die Bestände haben sich mittlerweile erholt, so brüten alljährlich über 10 Brutpaare dort. Zudem gibt es einige wenige weitere Brutplätze in der Stadt. Mit etwas Glück lassen sich im Sommer Familien mit Jungen auf den feuchten Wiesen beobachten. Im Herbst ziehen die Vögel mit einer Flügelspannweite von bis zu 220 cm dann nach Südeuropa oder Afrika, um im Frühjahr in ihre Brutgebiete zurückzukehren.

Klebrige, fleischfressende Schönheit

Blühender Mittlerer Sonnentau in einem nicht zugänglichen Teil der Fischbeker Heide
Blühender Mittlerer Sonnentau in einem nicht zugänglichen Teil der Fischbeker Heide

Im Sonnenlicht glänzende Tröpfchen locken Insekten an, allerdings handelt es sich weder um Nektar, noch um erfrischendes Wasser. Sobald ein Insekt mit dem verlockenden, süßen Sekret in Berührung kommt, schnappt die Falle zu: Die Tentakel umschließen das Opfer und sondern Enzyme zur Verdauung des Insekts ab. So können die Nährstoffe über Drüsen auf der Blattoberfläche aufgenommen werden. In Hamburg kommen der Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia) und der  Mittlere Sonnentau (Drosera intermedia) vor. Beide sind vom Aussterben bedroht, von letzterem gibt es grade noch eine Handvoll kleiner Bestände in den Mooren der Stadt.

Mehr Fotos gibt es in der Galerie.

StadtNatur-Schnappschuss

Neugierig beäugt dieser Waldkauz die Bewegungen auf der Straße
Neugierig beäugt dieser Waldkauz die Bewegungen auf der Straße

An einer viel befahrenen Straße in Hamburg-Francop sitzt dieser Waldkauz (Strix aluco) in einer seiner Baumhöhlen und verfolgt den Autoverkehr und das Treiben auf dem Fußweg aus sicherer Höhe. Das dichte Blätterdach lässt wenig Licht durch , so ist die Eule kaum zu entdecken.

Juni

Neugrabener Turmfalken

Vier der jungen Turmfalken am Turm der Michaeliskirche wenige Tage vor dem Ausfliegen
Vier der jungen Turmfalken am Turm der Michaeliskirche wenige Tage vor dem Ausfliegen
Das Männchen des Brutpaares thront über der Kirche
Das Männchen des Brutpaares thront über der Kirche

Erfolgreich verlief die Brut des im Turm der Michaeliskirche in Neugraben brütenden Turmfalken-Paares. Sechs Jungvögel konnten großgezogen werden und flogen im Juni aus.

Seit vielen Jahren schon brüten die Falken in dem von den Pfadfindern der Gemeinde installierten Nistkasten. 2013 ist dieser in Zusammenarbeit mit der Gruppe Süd des NABU Hamburg im Rahmen des Projekts "Aktiv für Neugrabens StadtNatur" mit  moderner Kameratechnik ausgestattet worden.  So kann das Brutgeschehen in Echtzeit weltweit verfolgt werden. Im April wurde das Engagement der Michaelisgemeinde für den "Lebensraum Kirchturm" ausgezeichnet. Den Brutverlauf der Falken mit weiteren Fotos und Videos gibt es auf Falkenkamera.de zu entdecken.

Ausflug in die Wedeler Marsch

Die ehemalige Boden-Entnahmestelle Fährmannsand in der Wedeler Marsch ist ein prima Ausflugsziel für Natur- und ganz besonders Vogelliebhaber. Die Kombination aus tidebeeinflusstem Süßwasserwatt vor dem Deich und tideunabhängigen Gewässern mit kleinen Inseln dahinter, bietet zahlreichen Vogelarten in der von grünem Weideland geprägten Umgebung  einen idealen Brut-,  Rast- oder Winterlebensraum.

Mit ihren Beobachtungshütten und dem kleinen Infozentrum bietet sich die Carl Zeiss Vogelstation als Wanderziel an.

Mehr Fotos aus der Wedeler Marsch gibt es in der Galerie.

Nilgans-Familie in der Wedeler Marsch
Nilgans-Familie in der Wedeler Marsch

Nilgänse (Alopochen aegyptiacus) kamen, wie der Name schon vermuten lässt, ursprünglich nicht in Mitteleuropa vor. Seit dem 18. Jahrhundert wurden sie als Ziervögel eingeführt, durch Gefangenschaftsflüchtlinge entwickelte sich eine immer schneller wachsende Population. Mittlerweile gibt es kaum mehr einen Landstrich in Deutschland, in dem die Gänse nicht zu beobachten sind. Mit ihrem zum Teil aggressiven Verhalten stellen sie in einigen Regionen eine ernst zu nehmende Konkurrenz zu den heimischen Graugänsen dar. Das abgebildete Paar brütete in diesem Jahr erfolgreich an der Station.

Drei Kampfläufer an der Kleientnahmestelle und ein auffliegender Kiebitz
Drei Kampfläufer an der Kleientnahmestelle und ein auffliegender Kiebitz

Einige Männchen der zu den Watvögeln zählenden Kampfläufer (Philomachus pugnax) kehren sehr früh im Jahr zurück aus den nordischen Brutgebieten. Das zum Teil sehr lange Gefieder des Prachtkleides lassen die Vögel manchmal etwas verwegen wirken. Der Name Kampfläufer rührt von den in besonderen Arenen stattfindenden Balzkämpfen der Männchen her. Früher brütete die Art regelmäßig auch im Bereich der deutschen Nordsee, heute finden sich dort allenfalls noch einzelne Paare. Im Herbst ziehen die Vögel dann in ihr Überwinterungsgebiet in Afrika.

StadtNatur-Schnappschuss

Abends nach Ladenschluss, wenn die meisten Menschen mit ihren Autos verschwunden sind, suchen Silber- und Sturmmöwen auf einem großen Parkplatz vor einem Möbelhaus und einem Baumarkt in Hamburg-Moorfleet nach Fressbarem. Ihre Brutplätze liegen unweit entfernt auf gewerblichen Flachbauten.

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Rückblicke Juni und Juli 2014

Aufgrund akuten Zeitmangels konnte ich leider noch keine Rückblicke für die beiden Monate erstellen. Anfang September wird es dafür einen umfangreichen "Sommer-Rückblick" geben. Soviel wird jetzt schon verraten: Es gibt eine Menge zu berichten!

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Rückblick: Mai 2014

Alles neu macht der Mai - das wusste H. A. von Kamp schon vor knapp 200 Jahren und dichtete dazu...

Blühende Orchideen

Orchideen sind in Hamburg selten geworden, hier das Breitblättrige Knabenkraut im Moorgürtel (Neugraben-Fischbek)
Orchideen sind in Hamburg selten geworden, hier das Breitblättrige Knabenkraut im Moorgürtel (Neugraben-Fischbek)

Orchideen in Hamburg? Da denkt man zunächst an den Botanischen Garten oder die heimische Fensterbank. Aber das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) kommt durchaus auch wildwachsend in Hamburg vor, an rund einem Dutzend Standorten blüht es im Mai. Die Pflanze gedeiht nur an ungedüngten und feuchten, aber nicht zu nassen Standorten mit viel Sonnenschein. Eine frühe Wiesenmahd hilft der Art gegen Hochstauden zu bestehen. Seit den 1960er Jahren ist sie merklich zurückgegangen und wird in der Roten Liste Hamburgs als stark gefährdet geführt. Neben ihr kommen in Hamburg noch fünf weitere Orchideenarten vor, diese sind jedoch allesamt noch deutlich seltener. Leider kommen immer wieder einige "Blumenliebhaber" auf die Idee, diese Seltenheiten auszugraben um sie im eigenen Garten zu kultivieren, was allerdings nur äußerst selten gelingt. Die wilden Bestände werden dadurch dramatisch geschwächt.

 

Nachwuchs bei den Stadtgänsen

Graugans-Familie am Osterbekkanal (Barmbek)
Graugans-Familie am Osterbekkanal (Barmbek)

Mai ist Kükenzeit! Für die städtischen Graugänse (Anser anser) ist 2014 ein gutes Jahr. An den Kanälen rund um die Alster waren und sind noch zahlreiche Gansfamilien zu beobachten. Rasenflächen in Wassernähe dienen als Futterplätze. Die meisten der Graugänse in der Stadt tragen einen blauen Kunststoffring mit einem alphanumerischen Code, anhand dessen sich die Wanderbewegungen der Tiere nachvollziehen lassen. Hierzu lesen Vogelkundler die Ringe der Langhälse ab und melden sie. In Laufe der Jahre entstehen so regelrechte Lebensläufe bzw. Bewegungsprofile. Ein umfangreicher Beitrag zum Thema Vogelberingung ist geplant.

 

Fliegende Edelsteine

Eisvogel in der Nähe seiner Brutröhre
Eisvogel in der Nähe seiner Brutröhre

An Gewässern mit naturnahen Uferbereichen und Abbruchkanten können auch in unserer Stadt mit etwas Glück Eisvögel (Alcedo atthis) beobachtet werden. Rund 50 Brutpaare sind hier beheimatet. Während die flinken Flieger im Allgemeinen recht scheu sind, zeigen sich die Vögel an belebten Orten, wie zum Beispiel dem Stadtpark, Menschen gegenüber erstaunlich  gelassen. Die Brut findet versteckt, in einer bis zu einem Meter tiefen Brutröhre, in Steilwänden am Gewässerufer statt. In guten Jahren kommt es regelmäßig zu Zweitbruten wenn die ersten Küken flügge sind. Bestandsverluste durch harte Winter können so ausgeglichen werden. Entdecken sie eine Brutröhre: Abstand halten. Besonders hier sind die Vögel extrem scheu, um ihre Brut vor natürlichen Feinden zu schützen.

 

Hamburg - Stadt der Möwen

Brütende Sturmmöwe im Müggenburger Zollhafen, im Hintergrund das IBA-Dock (Veddel)
Brütende Sturmmöwe im Müggenburger Zollhafen, im Hintergrund das IBA-Dock (Veddel)
Küken der Heringsmöwe in einer großen Möwenkolonie (Moorfleet)
Küken der Heringsmöwe in einer großen Möwenkolonie (Moorfleet)

Möwen sind in Hamburg an vielen Orten ständig präsent. In der Brutzeit ist es schon erstaunlich, wo man überall insbesondere die Sturmmöwen mit ihren Gelegen entdecken kann. Besiedelt wird fast alles, was dem Nest Halt bietet: Fahrradständer und -körbe, Rohrleitungen aller Art, wenig befahrene Bahngleise auf Industriegeländen, Dalben, Flachdächer oder auch einfach Brachflächen. Bevorzugt werden höhergelegene Orte, an denen Füchse etc. nicht räubern können. Hamburg bietet ganzjährig, auch im Winter, vielfältige Lebensräume mit guter Nahrungsgrundlage für eine Handvoll Möwenarten. Als Brutvögel kommen in unserer Stadt vor allem Sturmmöwen vor, seltener ist die Silbermöwe. Herings- und Schwarzkopfmöwen sind mit unter 100 Brutpaaren deutlich seltener.

 

Reges Treiben auch bei den Insekten

Bei sommerlichen Temperaturen ist die Flüssigkeitsaufnahme enorm wichtig, hier bei einer Hosenbiene (Neugraben-Fischbek)
Bei sommerlichen Temperaturen ist die Flüssigkeitsaufnahme enorm wichtig, hier bei einer Hosenbiene (Neugraben-Fischbek)
Paarung der Hasel-Randwanze (Neugraben-Fischbek)
Paarung der Hasel-Randwanze (Neugraben-Fischbek)

Mit steigenden Temperaturen nehmen auch die Aktivitäten unter den Insekten zu. Immer mehr Arten lassen sich besonders an warmen Stellen entdecken. Bei zahlreichen Wanzenarten findet in diesen Tagen die Paarung statt. Wie für andere Tiergruppen auch ist eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme absolut notwendig. An vielen Gewässern lassen sich nun an warmen Tagen zahlreiche Libellen bei der Jagd, Paarung oder Eiablage beobachten. Im Laufe des Sommers werden hier noch einige interessante Insekten genauer vorgestellt.

 

Ich wünsche allen Lesern eine schöne, warme Sommerzeit mit tollen Naturbeobachtungen!

 

EINE GALERIE ZUM MAI GIBT ES HIER.

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Seeadler vs. Airbus - Airbus vs. Seeadler ?

Seeadler und Airbus-Tower (selbstverständlich keine Montage), 10.05.2014
Seeadler und Airbus-Tower (selbstverständlich keine Montage), 10.05.2014
In Finkenwerder startender Airbus A380-800
In Finkenwerder startender Airbus A380-800

Seit Donnerstag ist das Thema in den Hamburger Medien präsent und treibt zum Teil seltsame Blüten. Den Anfang machte ein NDR-Beitrag im Hamburg Journal am 8. Mai. Hier wird recht neutral berichtet, die Fakten stimmen weitestgehend. Im Folgenden wurde das Thema u.a. von der Hamburger Morgenpost und dem Hamburger Abendblatt aufgegriffen. Während Erstere recht sachlich und richtig berichtet und zuvor Erkundigungen bei Fachleuten einholte, ging beim Abendblatt offenbar einiges schief. Zumindest im Online-Artikel werden Fakten falsch dargestellt und behauptet, auf dem Airbus-Gelände würden zwei Paare des Seeadlers brüten. Die Kommentare zu den Online-Artikeln sind zum Teil recht rüde.

In der Samstags-Ausgabe der Morgenpost wurde dann sogar fast eine Doppelseite mit dem Thema gefüllt (leider nicht online).

 

In der Umgebung des Flugzeugbauers, dem größtem Arbeitsgeber der Hansestadt, brüten zwei Paare der in Deutschland nach wie vor streng geschützten Seeadler.

 

Die Entfernung der beiden Nester zur Start- und Landebahn liegt bei knapp 2 bzw. 5 km. Das Nahrungsangebot auf dem Werksflugplatz lockt die vier adulten Seeadler ebenso an wie zahlreiche Rabenkrähen, Mäusebussarde, Turmfalken und andere mehr. Derzeit benötigen die Greifvögel besonders viel Nahrung, da sie ihre Jungen versorgen müssen. Die zahlreichen Beutetiere an der kilometerlangen Asphaltpiste kommen da gerade recht. Zu den beiden Seeadler-Paaren, deren Reviere sich bei Airbus überschneiden, kommen gelegentlich noch vagabundierende, nicht geschlechtsreife Jungadler. 

Bereits seit Jahren sind in Finkenwerder regelmäßig Seeadler zu beobachten, die Bestände in Deutschland nahmen in den letzten Jahren deutlich zu. Vor allem durch die Nutzung von DDT in der Landwirtschaft waren sie Anfang der 1970er Jahre fast ausgestorben. In Hamburg gibt es derzeit 3 Brutpaare, auf der Elbinsel Neßsand, knapp auf niedersächsischem Boden, ein weiteres.

Seeadler stellen eine Gefahr für startende und landende Flugzeuge dar - keine Frage. Umgekehrt ist es jedoch ebenso.

 

Bleibt realistisch betrachtet nur die Vertreibung der Tiere vom Flughafengelände.

 

Von Dauer wird diese jedoch nicht sein - die Adler werden immer wieder kommen, angelockt von leichter Beute. Eine Vergrämung wie sie derzeit praktiziert wird ist somit völlig legitim und im Interesse aller, aber auch eine echte Sisyphusarbeit. Es ist davon auszugehen, dass der Vogelschlagbeauftragte von Airbus mit seiner Erfahrung und Fachkenntniss die richtigen Mittel ergreift und Flugzeuge wie Vögel ungeschadet bleiben. Ein Abschuss der Adler, wie mehrfach von anonymen Kommentatoren im Internet gefordert, wird ganz sicher nicht ernsthaft zur Diskussion stehen.

 

Trotz aller Maßnahmen wird man eine Kollision nie gänzlich ausschließen können - damit werden sich alle Seiten, Naturschützer wie Flugzeugbauer, abfinden müssen.

 

Damit die Adler trotz Vergrämung auf dem Airbus-Gelände eine solide Nahrungssituation vorfinden und ihre Jungen ausbrüten und großziehen können, ist allerdings auch der konsequente Schutz der Lebensräume, speziell der Alten Süderelbe notwendig. Hier stören regelmäßig Angler, Paddeler, Modellflieger aber auch Fotografen mit ihren illegalen Aktivitäten in den eigentlich nicht zugänglichen Bereichen der Naturschutzgebiete Finkenwerder Süderelbe und Westerweiden. Hier ist es an der Politik die zuständigen Behörden finanziell und personell besser auszustatten, damit diese wirksame Maßnahmen zum Schutz der Biotope ergreifen können.

 

Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand. (Charles Darwin)

In diesem Sinne - es geht nur gemeinsam! 

 

Jugendlicher Seeadler auf dem Airbus-Gelände, verfolgt von einem Mäusebussard, 03.03.2013
Jugendlicher Seeadler auf dem Airbus-Gelände, verfolgt von einem Mäusebussard, 03.03.2013

Übrigens:

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Aktueller Beobachtungstipp: Der Grüne Zipfelfalter

Grüner Zipfelfalter wärmt sich in der Sonne auf
Grüner Zipfelfalter wärmt sich in der Sonne auf

Er wirkt schon etwas fremd, wie einem Schmetterlingsgarten mit seinen schillernd flatternden Exoten entflohen:

Der Grüne Zipfelfalter (Callophrys rubi). Bis etwa Mitte Juli werden die zu den Bläulingen zählenden Falter in der Fischbeker Heide zu beobachten sein. An sonnenbeschienenen Heidelbeersträuchern, idealerweise windgeschützt gelegen, sitzen sie gerne mit geschlossenen Flügeln im rechten Winkel zur Sonne um sich aufzuwärmen. So sind sie an vielen Stellen in der Heide problemlos vom Weg aus zu bewundern, wenn man erst einmal einen entdeckt hat. Mit einer Flügelspannweite von maximal 28mm ist die Art nur etwa halb so groß wie der Zitronenfalter oder das Tagpfauenauge. So hilft ein Fernglas bei der Suche nach der kleinen Schönheit.

Die häufig verwendete Bezeichnung Brombeerzipfelfalter ist übrigens wenig zutreffend, die Brombeere wird nicht als Futterpflanze genutzt.

In Hamburg gilt die Art mit der Einordnung in die Kategorie 2 der Roten Liste als stark gefährdet. Somit sollte der Schutz der Tiere oberste Priorität beim Beobachten haben, die Wege dürfen im Naturschutzgebiet ja sowieso nicht verlassen werden. Viel Spaß in der Natur, lassen sie uns wissen, ob sie die Falter entdecken konnten!

Falter bei der Mineralien-Aufnahme vom Boden (Montage, es handelt sich um das gleiche Individuum)
Falter bei der Mineralien-Aufnahme vom Boden (Montage, es handelt sich um das gleiche Individuum)
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Rückblick: April 2014

Der April ist immer ein ereignisreicher Monat in der Natur. Nach dem milden Winter konnte der Frühling in diesem Jahr voll durchstarten.

Zur April-Galerie geht es hier.

Froschhochzeit

Grasfrösche am Laichballen in Neugraben-Fischbek
Grasfrösche am Laichballen in Neugraben-Fischbek

Ab Mitte März versammelten sich, nach beschwerlicher Wanderung aus ihren Winterquartieren, hunderttausende Kröten, Frösche und Molche in ihren Laichgewässern der Stadt. Anfang April befand sich das muntere Treiben dann in den meisten Gewässern auf dem Höhepunkt. So zum Beispiel am Falkenbergsweg, gelegen am Rande der Fischbeker Heide in Neugraben-Fischbek. Hier schien das Wasser der kleinen Teiche zu kochen, als viele Hundert Grasfrösche nach ausgedehntem Sonnenbad am Abend ihr imposantes Konzert präsentierten.

Zur Fotogalerie

 

Seeadler in Hamburg

Nachdem in der Nacht auf den 15. April der Brutplatz mitsamt Küken der Heuckenlock-Seeadler dem Sturm zum Opfer gefallen ist (zum Blogeintrag)  , begann das Adlerpaar nur wenige Tage später mit dem Bau eines neuen Horstes. So kann im kommenden Jahr auch hier wieder mit einer Brut gerechnet werden. Die Schutzmaßnahmen im Gebiet bleiben bestehen, der reguläre Rundweg duch das Naturschutzgebiet kann aber weiterhin genutzt werden.

Zur Fotogalerie

Ein weiteres Brutpaar bekam im Südwesten der Stadt zum ersten Mal Nachwuchs. Bemerkenswert, ist das Weibchen doch erst vier Jahre alt!

 

Blüte der Schachblumen

Blühende Schachblumen in Neuenfelde
Blühende Schachblumen in Neuenfelde

Die Blüte der Schach- oder auch Schachbrettblumen (Fritillaria meleagris) ist jedes Jahr aufs Neue ein Augenschmaus, der viele Menschen in seinen Bann zieht. Während an den bekannten Vorkommen vor den Toren Hamburgs (bei Hetlingen im Westen mit einigen Zehntausend Exemplaren und bei Seevetal im Südosten) wahre Massen blühen und dazu verleiten  ihre Seltenheit anzuzweifeln, sind die Bestände an den wenigen Hamburger Standorten deutlich übersichtlicher. Bekanntestes Vorkommen in Hamburg ist das NSG Heuckenlock, wo die Bestände in diesem Jahr jedoch recht mager ausfielen. Die Aufnahme oben stammt von einer nicht öffentlich zugänglichen Weide in Neuenfelde, wo das Vorkommen der Blume erst in diesem Jahr bekannt wurde. Immerhin gut 50 Exemplare blühten hier.

Ursprünglich kam die Blume nicht in Deutschland vor. Sie wird seit dem 16. Jahrhundert in Gärten kultiviert und konnte so in die Landschaft auswandern. Durch ihre hohen Ansprüche an die Bodenbewirtschaftung gilt sie als gute Indikatorart, so wird sie zum Beispiel bei Überdüngung des Bodens sehr schnell verdrängt und verträgt keine Mahd vor Ende Juni. In Hamburg steht die Art auf der Roten Liste Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht) und ist somit streng geschützt.

 

Jupiter über der nächtlichen Heide

Jupiter mit vier seiner Monde
Jupiter mit vier seiner Monde

Beifang wäre wohl ein passender Begriff für diese Aufnahme, etwas außerhalb des eigentlichen Themenspektrums. Aber beginnen wir am Anfang:

Am 19. April war ich abends mit Familie Elwers (BUND/NABU) verabredet, um zu dem von ihnen betreuten Schleiereulen-Nistkasten in der Fischbeker Heide zu schauen. Leider ist dieser nun schon im zweiten Jahr in Folge nicht besetzt, nachdem in den vorangegangenen Jahren erfolgreich gebrütet wurde. Auf der folgenden Suche nach anderen Eulen konnten wir am mondlichtfreien Nachthimmel den Jupiter mit vier seiner insgesamt 67 Monde hervorragend bestaunen.

Im Bildzentrum von links nach rechts: Ganymed, Jupiter, Io, Europa und Kallisto.

Der größte Planet unseres Sonnensystems war das mit Abstand hellste Objekt am Himmel. So war dieser Spaziergang auch ohne Eulenbeobachtung etwas Besonderes. 

Wanderfalken

Wanderfalke am Aurubis-Schornstein. Mittlerweile gibt es um die 20 Paare in Hamburg.
Wanderfalke am Aurubis-Schornstein. Mittlerweile gibt es um die 20 Paare in Hamburg.

Ein sehr ärgerlicher Akt zum Thema menschlicher Ignoranz wurde an einem Wanderfalken-Brutplatz in der Stadt aufgeführt. Einen ausführlichen Bericht hierzu mit zahlreichen Bildern wird es im Juni geben, wenn die Jungvögel (hoffentlich) flügge sind.

Schwalben, Gänse, Ziegenmelker und viel mehr...

Natürlich gäbe es noch viel mehr zu berichten: 

Über die Ankunft vieler Zugvögel wie der Rauch- und Mehlschwalben, Mauersegler und nicht zuletzt dem sagenumwogenen Ziegenmelker (zu diesem später mehr), über die vielen städtischen Graugänse, welche sich nun regelmäßig mit ihren Gösseln (Küken) auf den Grünflächen rund um die Alster und die angrenzenden Kanäle aufhalten, über die vielen Watvögel, z.B. in der Wedeler Marsch, über die unendlich vielen Grüntöne, welche die Pflanzenwelt im Frühling zeigt, über die illegale Entfernung von Mehlschwalbennestern und und und...

 

EINE GALERIE ZUM APRIL GIBT ES HIER.

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Tragödie bei den Seeadlern im NSG Heuckenlock

Wilhelmsburger Adlerküken wahrscheinlich ertrunken

In der Nacht auf den 15. April spielte sich im Naturschutzgebiet eine Tragödie ab. Die Windböen waren zu stark, der Baum mit dem mehrere hundert Kilo schweren Horst der Seeadler kippte. Am Morgen danach wurde der zerstörte Nistplatz knapp über dem Boden im Gehölz hängend aufgefunden. Während sich die Altvögel in solchen Situationen mit einigen Flügelschlägen retten können, sind die nicht flugfähigen Küken chancenlos. Wahrscheinlich wurden sie mit dem Hochwasser davon gespült.

Bereits im Dezember 2013 hatte das Sturmtief Xaver die über 400 Jahre alte Flatterulme im Gebiet zu Fall gebracht.

Es wäre die dritte erfolgreiche Brut geworden

Nachdem die Seeadler in den vergangenen beiden Jahren erfolgreich insgesamt fünf Jungvögel großzogen, begann auch die 2014er Brutsaison gut. In der letzten Februardekade begann die Brut, etwa am 3. April schlüpften die Küken. Wie viele es waren, weiß nun leider niemand. Erst im Alter von einigen Wochen sind sie groß genug, um sie mit dem Fernglas zu erspähen. Dazu wird es hier in diesem Jahr nun leider nicht kommen.

Wie geht es nun weiter bei den Adlern?

Abzuwarten bleibt, wie sich die beiden Alttiere nun verhalten. Werden sie einen neuen Horst errichten? Die Zeit wird es zeigen. Zumindest ein Seeadler konnte in unmittelbarer Nähe des zerstörten Nestes fliegend beobachtet werden.

Wichtig ist es nun, den Adlern die Chance zu bieten sich für die kommenden Jahre einen neuen Nistplatz im Gebiet zu suchen. So gilt der Appell an alle Besucher des Naturschutzgebiets: Verlassen sie bitte nie die ausgewiesenen Wanderwege, akzeptieren sie die abgesperrten Bereiche. Die Natur wird es uns danken!

 

Zur Galerie "Seeadler im NSG Heuckenlock"

 

 

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